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Sonntag, 4. Dezember 2016

Liebe grüne Pudelmützen-Träger

Überall grüne Kinder.
Foto: Heinz-Peter Tjaden
Glaubt ruhig an den Weihnachtsmann

Tante Margot von der Kirche in Hannover schreibt heute in der "Bild am Sonntag", dass ihr nicht an den Weihnachtsmann glauben sollt. Der sei 1931 von dem Cartoonisten Haddon Sundblom erfunden und ab 1964 von Coca Cola groß herausgebracht worden. Deswegen sei es besser, wenn ihr an das Christkind glaubt. Dieses Kind als Geschenk Gottes sei auch viel rätselhafter als der Weihnachtsmann.

Wie rätselhaft aber auch der Weihnachtsmann sein kann, wisst ihr selbst. Wenn euer Vater mitten im Sommer behauptet, dass euer Nachbar ein Weihnachtsmann ist, dann gibt euch euer Vater sicherlich viele Rätsel auf. Denn gut meint es euer Vater dann nicht mit eurem Nachbarn.

Tante Margots Kolumnen in der "Bild am Sonntag" sind auch meistens nur gut gemeint. Gut ist dagegen der Brief, den der Chefredakteur der "Sun" 1897 an ein Mädchen namens Virginia schreiben ließ, als er gefragt wurde, ob es den Weihnachtsmann gibt. Diese Antwort wird auch heute noch von vielen Zeitungen Heiligabend veröffentlicht.

Denn es standen viele schöne Sätze in diesem Brief, die unvergänglich sind. Diese zum Beispiel: "Es gibt den Weihnachtsmann so gewiss wie die Liebe und die Großherzigkeit und die Treue. Und Du weißt ja, dass es all das gibt, und deshalb kann unser Leben schön und heiter sein. Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig."

Das, liebe Kinder, ist sicher. Sicher ist zurzeit auch, dass ihr alle grüne Pudelmützen auf dem Kopf habt, einige von euch tragen dazu sogar auch noch grüne Jacken oder grüne Anzüge. Lasst euch vom Weihnachtsmann viel Schönes schenken, vielleicht auch das Mathe-Bilderbuch, das die kleine Sarah aus Lübeck und ich gemacht haben. Hier klicken    


Dienstag, 29. November 2011

Liebe Virginia,

29. November 2011
Es gibt solche Behörden und  Einrichtungen

Die kleine Virginia aus New York hat 1897 den Chefredakteur der "Sun" gefragt, ob es den Weihnachtsmann gibt. Die Antwort wird  bis heute von vielen Zeitungen in der Weihnachtszeit veröffentlicht. Wie aber müsste die Antwort ausfallen, wenn sich 2011 ein Kind nach Jugendämtern, Kinderheimen und anderen Einrichtungen erkundigen würde? Vielleicht so:

Liebe Virginia,

ja, es gibt das Jugendamt. Aller Menschengeist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen gehört oder einem Jugendamtsmitarbeiter. Vor dem Familiengericht verliert es sich wie ein Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, die ganze Wahrheit zu begreifen.

Es gibt das Jugendamt so gewiss wie Sorgerechtsentzug, Trennung von Geschwistern und Heimunterbringungen. Weil es all das gibt, kann unser Leben hässlich und traurig sein. Wie hell wäre die Welt, wenn es kein Jugendamt gäbe, wie wir es allzu oft in der Zeitung lesen müssen.

Es gäbe dann auch keine Hilfepläne, die keine sind, und keine Gerichtsbeschlüsse - gar nichts, was das Leben erst unerträglich macht.

Das Licht der Kindheit, das die Welt erhellt, müsste dann auch nicht verlöschen in Kinderheimen, die nicht zulassen, dass ein Kind mit seinem Vater gemeinsam Weihnachten feiert. Es gibt dieses Kinderheim. Nun könntest du natürlich den Märchen glauben, die man in der katholischen Kirche erzählt. Gewiss könntest du deinen Papa bitten, er solle am Heilig Abend Leute ausschicken zu diesem Heim, weil an der Eingangstür "katholisch" steht. Niemand würde sie hineinlassen. Niemand bekäme das Kind, das mit seinem Vater nicht gemeinsam Weihnachten feiern darf, zu Gesicht. Aber was würde das beweisen?

Kein Mensch sieht ein Heimkind einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar. Jugendamtsmitarbeiter zum Beispiel, wenn sie Akten verschwinden lassen. Trotzdem gibt es sie.

All die Reißwölfe zu denken - geschweige denn, sie zu verbieten - das vermag niemand in der deutschen Welt.

Was du auch siehst, du siehst nie alles. Du kannst in ein Jugendamt einbrechen und nach den Akten suchen. Du wirst einige abgeschlossene Schränke finden, nichts weiter.

Warum? Weil es einen Schleier gibt, den nicht einmal alle Gewalt auf dieser Welt zerreißen kann. Nicht einmal Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. "Ist das denn auch wahr?" kannst du fragen. Virginia, nichts auf dieser Welt ist wahrer und beständiger.

Das Jugendamt und das Kinderheim existieren. Sogar in zehn Mal zehntausend Jahren werden sie noch da sein, um Kinder wie dich zu erschrecken.

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