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Sonntag, 13. Dezember 2009

Sigmar Gabriel

13. Dezember 2009
Worte des großen SPD-Vorsitzenden zum Kindeswohl

Sigmar Gabriel kämpft immer wieder gegen das Vergessenwerden. Deswegen macht er markige Sprüche. Seinerzeit im niedersächsischen Landtag, bis Sozialdemokraten geglaubt haben, zu ihnen spreche ein Hoffnungsträger. Diese Hoffnung trog jederzeit und in jedem Amt. Schröder-Land war laut „Stern“ zwar bereits abgebrannt, als Glogowski gehen musste und Gabriel kommen durfte, aber es wuchs kein neues Leben aus den Ruinen, sondern 2003 eine Wahlniederlage.

Also wurde der 50-Jährige Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, was den meisten erst auffiel, als sich die Wahlperiode und somit die SPD-Regierungsbeteiligung dem Ende zuneigte, denn nun meldete sich der in Goslar geborene Lehrer immer häufiger lauthals zu Wort. Try to remember of Gabriel in september.

Dieser Politiker ist so rund, der rollt sich einmal ab und steht dann wieder auf. Sein „new deal“ gilt jetzt für die SPD. Basis stärken, Führung stärken, Partei stärken. Die SPD landet laut Sonntagsfrage bei 24 Prozent. Erreicht also fast das Lebensalter der neuen Ehefrau von Müntefering.

Da sagt sich Sigmar Gabriel: Das kann doch nicht alles gewesen sein und begibt sich zu Studentinnen und Studenten in Berlin. Den mitgereisten Frank-Walter Steinmeier lässt er verbal als Fraktionsvorsitzenden links liegen und stellt diese These auf: Die Bundesregierung will Eltern dafür bezahlen, dass sie ihren Nachwuchs nicht in den Kindergarten schicken.

Schon fallen einem alle Lehrer ein, die man als Schüler nicht gemocht hat, weil sie Zeit zum Nachdenken nicht gewährten. Die hauten auch den Stoff so lange heraus, bis die Pausenklingel erlösend wirkte.

Eltern, die sich nicht so schnell wie möglich von der Erziehung ihres Nachwuchses verabschieden, Käuflichkeit vorzuwerfen, grenzt schon an Verleumdung von Müttern und Vätern, die sich Gedanken darüber machen, ob jeder vorgezeichnete Weg auch der richtige ist. Dieser Spruch von Sigmar Gabriel ist so dumm wie weiland der Satz von Gerhard Schröder: „Lehrer sind faule Säcke“.

Mittwoch, 21. Januar 2009

Nackedeis

21. Januar 2009
Nackedeis in Kindergarten: Skandal oder Provinz-Posse?

Die „Rheinische Post“ schreibt immer noch von einem „Skandal“, die Staatsanwaltschaft in Duisburg weiß noch nicht, ob sie Anklage wegen Verletzung der Fürsorgepflicht erheben soll. Nach einer vorübergehenden Schließung der Einrichtung ist die Kindergarten-Leitung inzwischen ausgewechselt worden. Eine Provinz-Posse nimmt kein Ende und das sind die bisherigen Kapitel.

November 2008: Eine Elternversammlung ist in Geschrei untergegangen, auf dem Schreibtisch der Staatsanwaltschaft liegt ein Strafantrag, 80 von 120 Kindern gehen nicht mehr hin: Im Kindergarten von Duisburg-Walsum ist eine nackte Bombe explodiert, Jugendamtsleiter Thomas Krützberg sammelt die Trümmer ein: „Wir müssen jetzt das Vertrauen der Eltern zurück gewinnen.“

Sommer 2008: Was ist geschehen? Dies: Die Erzieherinnen ließen die Kleinen auf dem Gelände nackt herumlaufen. Einigen Kindern aber war das peinlich. Sie informierten ihre Eltern. Schon witterten einige Schweinkram, andere beschwerten sich darüber, dass sie über die Nackedeis in Krippe, Kindergarten und Hort nicht informiert worden waren. Wie dieser Vater: „Es wäre alles nicht so schlimm, wenn man uns vorher benachrichtigt hätte.“

Aufgeflogen sind die nackten Tatsachen, als eine (deutsche) Mutter ihre Kleine abholen wollte. Sie traute ihren Augen nicht. Jessica (Name geändert) hatte nichts an und um sie herum wuselten weitere nackte Kinder herum.

Danach verschanzten sich Eltern hinter Mauern aus Gerüchten, Verdächtigungen und Unverständnis für die Ansichten der anderen. Jemand meinte: „Wenn man die Kinder erzieht, indem man ihnen sagt, dass nackt sein igitti pfui ist, haben die noch mehr Spaß daran.“

Ein paar Wochen später: Der sollte eine Zeitlang im Kindergarten von Duisburg-Walsum ein wenig versteckt werden. Für die Nackedeis wurde deshalb - in Absprache mit den betroffenen Eltern - ein Extra-Raum geschaffen. Die Empörungs-Wogen glättete das aber nicht. Diese Mutter sprach für die Mehrheit: „Ich finde das gar nicht witzig. Meine Kinder sollen etwas lernen, sie sollen sich nicht erkunden.“

Wieder November 2008: So sah das auch der Jugendamtsleiter Thomas Krützberg, der früher eingeschritten wäre, wenn er gewusst hätte, was er im November 2008 wusste. Nackte Kinder gab es fortan in diesem Kindergarten nicht mehr. Ein Mitarbeiter des Jugendamtes passte auf, dass es auch so blieb. Das allerdings hielten einige für übertrieben. Wie dieser Beobachter der Szene: „Da schreien doch nur die, deren Frauen in Leggins und T-Shirt im Hallenbad rumpaddeln.“…

Januar 2009: Jetzt stellen wir uns einmal vor, die Erzieherinnen hätten - wie im Nachhinein gefordert - alle Eltern darüber informiert, dass es in ihrer Einrichtung Kinder gibt, die gern nackt herumtoben. Hätten die Kleinen dann gedurft? Wohl kaum. Auch dann wäre jene Natürlichkeit futsch gewesen, die vielen Kindern zueigen ist - bis sich Erwachsene (unanständige) Gedanken machen.

Bis heute gibt es übrigens niemanden, der den damaligen Erzieherinnen sexuellen Missbrauch vorwirft. Das wäre ein Skandal. Was derzeit in Duisburg geschieht, legt die Vermutung nahe: In dieser Stadt ist alles andere dermaßen in Ordnung, dass sich die Staatsanwaltschaft irgendwie die Zeit vertreiben muss.