Posts mit dem Label Aufgelesen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Aufgelesen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 14. Mai 2024

Aufgelesen (2024)

Bürgermeister aus Lünen als Kinderschänder

Er missbrauchte Teenager, konsumierte übelste Kinderpornos und schickte Nacktfotos sogar an Kinder! Jahrelang sucht der ehemalige Vize-Bürgermeister von Lünen Befriedigung bei seinen jungen Opfern. Das Gericht schickte Daniel Wolski (41) dafür jetzt drei Jahre und sechs Monate in Haft.

Bild, 14. Mai 2024


Dienstag, 15. August 2023

Aufgelesen (2022/23)

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungsverfahren ein

Der Fall erregte auch über die Region hinaus im vergangenen Jahr Aufsehen: Ein Mann aus dem Steinlachtal hatte zwei Mädchen sexuelle Gewalt angetan, die ihm das Jugendamt als Pflegetöchter anvertraut hatte. Schon im Prozess wurde Kritik an der Arbeit der Behörde laut. Denn nachdem eine Pflegetochter dem Jugendamt von den Übergriffen berichtet hatte, konfrontierten Mitarbeiterinnen den Mann mit den Vorwürfen – noch vor einer Anzeige bei der Polizei.

Später stellte die Kriminalpolizei fest, dass kinderpornografische Bilder und Videos von elektronischen Geräten des Mannes gelöscht worden waren. Außerdem hielt die als Zeugin vernommene Psychologin Heidrun Overberg dem Amt im Prozess vor, bereits vor den Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs auf schwerwiegende Probleme in der Pflegefamilie hingewiesen zu haben. Daraufhin habe die Behörde zu wenig unternommen.

Schwäbisches Tagblatt, 20. Mai 2022

Kein Kontakt zur Außenwelt

Ein acht Jahre altes Mädchen soll nahezu sein gesamtes Leben lang in einem Haus im Sauerland festgehalten worden sein. Die Staatsanwaltschaft in Siegen ermittelt gegen die Mutter des Kindes und die Großeltern. Knapp sieben Jahre lang soll das Kind komplett von der Außenwelt abgeschirmt worden sein: Es hat nie einen Kindergarten und keine Schule besucht. Auch mit anderen Kindern soll es in dieser Zeit niemals gespielt haben.

tagesschau, 8. November 2022

Auch Babys in Kinderheimen

In Kinderheimen leben nicht nur Jugendliche. In den letzten Jahren kamen auch viele kleine Kinder dort an, zwei, vier, fünf Jahre alt, auch Babys. Mal nur für wenige Tage, mal für Wochen, manchmal für Jahre.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. August 2023

Freitag, 22. Oktober 2021

Aufgelesen (2021)

Fall Lügde: Noch ein Jugendamt betroffen

In den Akten, die dem Untersuchungsausschuss im NRW-Landtag vorliegen, wird das Mädchen "Daniela" genannt - nicht ihr richtiger Name. Sie ist eines der Kinder, dem über einen längeren Zeitraum auf dem Campingplatz in Lügde sexuelle Gewalt angetan wurde. Missbraucht wurde sie vor allem von Mario S., dem jüngeren der beiden verurteilten Haupttäter. Er ist ihr Patenonkel.

Damals war Daniela etwa acht Jahre alt. Zuständig für das Kind war zu diesem Zeitpunkt das Jugendamt Höxter. Es schickte regelmäßig eine Familienhilfe, die Danielas Mutter bei der Erziehung helfen sollte. Diese freiwillige Unterstützung sei von der Mutter gut angenommen worden, sagte die damals zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes am Mittwoch im NRW-Landtag aus. Die Gefahr des sexuellen Missbrauchs sei allerdings mit dem Kind oder in den Gesprächen mit der Familienhilfe nicht genauer thematisiert worden.

WDR, 3. Februar 2021

Kein Informationsaustausch über Horror

Im Sommer 2017 stirbt ein Pflegekind in der Obhut ihrer Pflegemutter. Die heute 52-Jährige gesteht, die 21 Monate alte Naelys getötet zu haben. Sie wird zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt. Dem WDR liegen jetzt Fall-Unterlagen vor, die eine wichtige Frage aufwerfen: Hätte eine bessere Kommunikation der beteiligten Jugendämter und Jugendschutz-Institutionen die Tat verhindern können?

Die Zeit als Pflegemutter beginnt für die Solingerin 2014. Nach nur kurzer Zeit bekommt sie ein Pflegekind vom Jugendamt Wuppertal wieder abgenommen. Aus den Fall-Unterlagen geht hervor, dass die Erfahrung mit der Frau Horror gewesen sei. Sie sei unberechenbar, so das Amt. Die später mit der Solingerin befassten Jugendämter wissen davon offenbar nichts.

WDR, 24. Februar 2021

Pädophilen-Netzwerk: Berliner Senat bleibt untätig

Über Jahrzehnte haben die Berliner Jugendämter Kinder an Pädophile vermittelt. Aus einem Gutachten geht hervor, dass es in Berlin ein institutionell gut vernetztes Pädophilen-Netzwerk geben muss, das bis heute nicht offengelegt wurde. Der Berliner Senat bleibt untätig.

Wirtschaftsnachrichten, 5. März 2021

Kindesmissbrauch in Münster-Kinderhaus: Weiteres Urteil 

Yunus C. (27) wird in Saal A.14 gebracht. Sein Gesicht versteckt er hinter einer Akte. Über dem Kopf trägt er noch ein schwarzes Tuch. Er atmet schwer. In einem weiteren Prozess im Missbrauchskomplex Münster hat das Landgericht den Aachener unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 13 Fällen zu neun Jahren Haft verurteilt. Insgesamt waren 21 Taten Gegenstand des Urteils.  Bild, 9. März 2021

Lügde: Haben noch mehr Jugendämter versagt?

Bei der Aufklärung des Behördenversagens im Missbrauchsfall Lügde geraten immer mehr Jugendämter in den Blick des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag. Nach SPIEGEL-Informationen hat der Ausschuss jetzt die Jugendamtsakten von 23 Städten angefordert, in denen Opfer der Missbrauchstäter vom Campingplatz in Lügde leben. Darunter sind die Städte Wuppertal, Gütersloh, Detmold, Paderborn und Aachen.

Der Spiegel, 29. April 2021

Wer zu Kindesmissbrauch anleitet soll bestraft werden 

Die Bundesregierung will den Besitz und das Verbreiten von Anleitungen zu sexuellem Missbrauch von Kindern unter Strafe stellen. Das geht aus einem Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums hervor, der unserer Redaktion vorliegt und der am morgigen Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll.

Wer einen Inhalt verbreite oder öffentlich zugänglich mache, der als Anleitung für den sexuellen Missbrauch von Kindern diene, werde „mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es in der Formulierungshilfe des Ministeriums für den Gesetzentwurf.

Berliner Morgenpost, 11. Mai 2021

Woher kommt der Kinderhass?

Deutschland hasst Kinder. Das kann man spätestens seit der Pandemie so sagen, denke ich. Es ist natürlich nicht so, dass alle Deutschen Kinder hassen, wahrscheinlich würde in Umfragen sogar herauskommen, dass die meisten Deutschen von sich behaupten, Kinder zu mögen. Wahrscheinlich würden das auch die meisten regierenden Politiker*innen sagen. »Soziale Erwünschtheit« würde man das dann nennen, so heißt das Phänomen, dem zufolge Leute in Umfragen oft ein gesellschaftlich akzeptiertes Bild von sich zeichnen, obwohl sie den Rest des Tages nach anderen Maßstäben handeln. Leute nennen sich ja auch »tierlieb« und essen Tiere, was will man machen? Jedenfalls: Deutschland als Staat hasst Kinder, und es gibt nicht genügend politischen Druck auf Politiker*innen, um daran etwas zu ändern, denn dazu ist die Abwertung von Kindern zu tief in unserem Denken verankert. Nicht nur in Deutschland, aber schon auch speziell hier.

Der Spiegel, 11. Mai 2021

Fall Lügde: Untersuchungsausschuss hat es schwer

Der Untersuchungsausschuss werde auch in der nächsten Legislaturperiode im Landtag fortgesetzt werden müssen, sagt der Ausschussvorsitzende Martin Börschel von der SPD. Bei der Aufklärung möglicher Amtsversäumnisse rund um den hundertfachen Kindesmissbrauch in Lügde stehe man aktuell noch vor großen Hürden.

"Fehlende Aktenlieferungen, mangelnde Kooperationsbereitschaft, legitime Auskunftsverweigerungsrechte, die Corona-Pandemie – da kam schon etliches zusammen, was unsere Arbeit sehr sehr erschwert hat", sagte Börschel dem WDR-Magazin Westpol. "Und ein bisschen mehr guter Wille bei vielen Beteiligten hätte schon geholfen, das Leid der Opfer aufzuklären und Schlimmeres für die Zukunft zu verhindern."

WDR, 17. Mai 2021

SPD NRW für mehr Kontrolle 

Die Missbrauchsfälle in Lügde, Bergisch Gladbach oder Münster haben zu einer politischen Debatte darüber geführt, wie der Kinderschutz in NRW verbessert werden kann - und damit zu vielen Fragen: Hat das Land Möglichkeiten, die Arbeit der 186 Jugendämter in NRW besser zu beaufsichtigen? Kann das Thema Kinderschutz künftig stärker in die Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen oder auch Richtern mit einfließen?

Ein von der SPD-Fraktion über den Parlamentarischen Beratungs- und Gutachterdienst des Landtages in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten gibt nun Antworten auf diese und weitere Fragen. Ergebnis: Einige Dinge könnte das Land neu regeln, andere hingegen nicht.

WDR, 4. Juni 2021

Herber Dämpfer

Zum Scheitern des Koalitionsvorhabens, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern, erklärt das Aktionsbündnis Kinderrechte (Deutsches Kinderhilfswerk, der Kinderschutzbund, UNICEF Deutschland, in Kooperation mit der Deutschen Liga für das Kind):

„Das Scheitern der Verhandlungen über die Aufnahme von Kinderrechten im Grundgesetz ist ein herber Dämpfer für die Kinder, Jugendlichen und Familien unseres Landes, die in den vergangenen Monaten ohnehin schon wenig Unterstützung erfahren haben. Die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass Kinderrechte bisher zu häufig übergangen werden."

UNICEF, 8. Juni 2021


Immer dieselbe Diagnose

Michael Winterhoff, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Praxis in Bonn, ist deutschlandweit bekannt und war in der Vergangenheit immer wieder in Talkshows zu Gast. Seine Thesen, etwa dass Eltern in Deutschland ihre Kinder zu „Tyrannen“ erziehen und dadurch die gesamte Gesellschaft bedroht sei, sind seit Langem umstritten.

Am Dienstag waren Recherchen des WDR und der „Süddeutschen Zeitung“ zu Michael Winterhoff veröffentlicht worden, darunter auch der Dokumentarfilm „Warum Kinder keine Tyrannen sind“ von WDR-Autorin Nicole Rosenbach. Unter anderem geht es darum, dass Winterhoff Kindern systematisch und ohne tatsächliche Anamnese stets dieselbe, fachlich nicht haltbare Diagnose gestellt und ihnen ohne medizinische Indikation Psychopharmaka verschrieben haben soll, teilweise ohne Einwilligung der Sorgeberechtigten.

Generalanzeiger, 13. August 2021

Nordrhein-Westfalen: Opferbeauftragte kritisiert Jugendämter

Auchter-Mainz berichtete, sie erlebe "immer wieder", dass Hinweisgeber - zum Beispiel Lehrerinnen, Heimpersonal oder Kinderärzte - angeben, dass sie "gar keine Rückmeldung, kein Kontakt, keine Resonanz" bekommen, nachdem sie einen Verdachtsfall gemeldet hätten. Sie sprach von "wenig Zufriedenheit" mit den Jugendämtern. Sie bekomme Anrufe, wonach dort "ganz junge Leute", denen die nötige Ausbildung fehlt, eingesetzt würden.

Ein Kinderarzt habe ihr berichtet: "Das geht so nicht. Ich melde was, ich bin 30 Jahre in einem Problembezirk, ich sehe das Kind und weiß, wann ich was melde. Aber ich kriege gar keine Rückmeldung."

WDR, 20. September 2021

Jugendämter fordern mehr Personal

Die Jugendämter in Hannover haben offenbar zu wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. So steht es in einem Brief, aus dem die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" zitiert. Das Schreiben haben Beschäftigte des Kommunalen Sozialdienstes an die Stadtspitze geschickt. 

Die Arbeit in den Jugendämtern habe in den vergangenen Jahren zugenommen, hieß es aus dem Rathaus. Diesen Trend gebe es jedoch in vielen Großstädten. Um durchschnittlich 28 bis 39 Einzelfälle müsse sich jede Fachkraft im Bereich Jugend und Familie kümmern. Nach Angaben einer Sprecherin liegen diese Zahlen im bundesweiten Vergleich im normalen Bereich. Momentan gebe es aber tatsächlich unbesetzte Stellen. Das begründet die Stadt Hannover mit vielen Beschäftigten, die sich momentan in Mutterschutz oder Elternzeit befinden. 

Die Verfasserinnen und Verfasser des Briefs beklagen, fast alle Dienststellen hätten schon mehrfach offiziell gemeldet, dass sie überlastet seien. Mitarbeitende kümmern sich demnach nur noch um akute Fälle, in denen das Kindeswohl gefährdet ist.

NDR, 19. Oktober 2021

Dienstag, 17. November 2020

Aufgelesen (2020)

Jugendamt fördert Kindesmissbrauch

Marcos Stimme am Telefon ist voller Verachtung, wenn er über seinen Pflegevater Fritz H. spricht: „Psychoterror und Gewalt, das war sein Ding“, sagt er. „Ein richtiges Dreckschwein.“ Fritz H. misshandelte, missbrauchte und vergewaltigte Marco und seinen Pflegebruder Sven in seiner Wohnung in Friedenau von frühester Kindheit an, bis die Jungen circa 14 Jahre alt waren – und all das unter der Zuständigkeit des Jugendamts Schöneberg.


Das sagen Marco und Sven, und das bestreitet die Senatsverwaltung für Bildung, Familie und Jugend nicht.

Berliner Kurier, 7. Februar 2020

Ratgeber für Fachleute und Politiker

Kindesmisshandlung und Gewalt können zu lebenslangen Traumata führen. Der richtige Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen stellt eine große Herausforderung für therapeutische und pädagogische Fachkräfte dar. Das frühzeitige Erkennen einer Kindeswohlgefährdung ist daher für Jugendämter unabdingbar. Gunther Heck diskutiert Risikofaktoren, Ursachen und Folgen von Armut und häuslicher Gewalt. Anhand dessen gibt er Empfehlungen für sozialpädagogische Interventionen und schlägt politische Lösungen vor, die das Wohlergehen von Familien und Kindern sichern sollen. Heck richtet sich mit seinem Buch "Alleinerziehende als Risiko" an betroffene Alleinerziehende, Fachkräfte der Sozialen Arbeit und Politiker/innen, die ihren Schwerpunkt auf die Themen Familie und Kinder- und Jugendhilfe legen.

Unternehmen heute, 13. Februar 2020

Vier Monate Gefängnis für Impfgegnerin

In Duisburg stand heute eine Frau vor Gericht, die offenbar mit allen Mitteln verhindern wollte, dass ihre Tochter gegen Masern geimpft wird. Die Angeklagte gestand, die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes in einer E-Mail bedroht zu haben, nachdem die Behörde ihr mitteilte, das Mädchen gegen Masern impfen zu wollen. Das Kind befand sich zum Zeitpunkt der Impfung in Obhut des Jugendamtes.

RTL, 28. Februar 2020

Lügde: Verfahren eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Detmold hat mehrere Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter der Polizei und zweier Jugendämter zum Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde eingestellt.

t-online, 11. März 2020


In Corona-Krise Kinder nicht noch unsicherer machen
Sorgerecht und Umgangsregelungen sind auch ohne Coronavirus häufig Streitthemen bei getrennt lebenden Eltern. Das vom Senat auferlegte Kontaktverbot für Personen außerhalb des eigenen Haushalts führt derzeit zu Verunsicherung bei Mütter und Vätern, die nicht im gleichen Haushalt wohnen.
Das Jugendamt von Friedrichshain-Kreuzberg hat daher ein Leitfadenpapier zur Regelung von Kindesumgängen während der Coronavirus-Pandemie entworfen.
Demnach wird empfohlen, die Umgänge wie gewohnt durchzuführen, um die Kinder nicht noch weiter zu verunsichern. Durch den Wegfall von Kita und Schule als wichtige entwicklungsfördernde Sozialstrukturen seien die Kinder ohnehin verunsichert und bräuchten daher Gewissheit, dass wenigstens im nahen familiären Umfeld die Alltagsstrukturen erhalten bleiben, so das Jugendamt.

Tagesspiegel, 26. März 2020

Die Corona-Krise und sexuelle Gewalt

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, befürchtet wegen der Corona-Krise auch eine Zunahme sexueller Gewalt gegen Kinder. "Jeder, der sich im Kinderschutz engagiert und für das Kindeswohl kämpft, der ist im Moment in größter Sorge", sagte Rörig im rbb. "Die Täter und Täterinnen können jetzt noch unbemerkter vom sozialen Umfeld ihre perfide Gewalt ausüben", so der Missbrauchsbeauftragte. Daher sei es jetzt besonders tragisch, dass die Jugendämter nur auf Sparflamme oder im Notbetrieb arbeiten könnten.

tagesschau, 28. März 2020

Pädophiles Netzwerk auch in Behörden

Im Zentrum der Verantwortung steht Helmut Kentler. Der mittlerweile verstorbene Pädagogikprofessor setzte sich für die Legalisierung von Sex mit Minderjährigen ein. Kentler war persönlich bekannt mit dem Pflegevater und Sexualstraftäter Fritz H., schrieb Gutachten in seinem Sinne. Die Wissenschaftler der Uni Hildesheim kommen in ihrer Studie allerdings zu der Erkenntnis, dass Kentler nicht alleine war.

„Dass es ein Netzwerk quer durch die wissenschaftlichen pädagogischen Einrichtungen, insbesondere der 1960er- und 1970er-Jahre gab, in dem pädophile Positionen akzeptiert, gestützt und verteidigt wurden.“

Explizit genannt werden das Pädagogische Zentrum Berlin, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, die Freie Universität und das Pädagogische Seminar Göttingen. Außerdem lassen sich Verbindungen nachweisen zwischen dem Pädagogischen Zentrum und der Odenwaldschule in Hessen, die nach 
Bekanntwerden des dortigen Missbrauchsskandals schließen musste.
Deutschlandfunk, 15. Juni 2020

Kindesmissbrauch in Münster-Kinderhaus

Als Adrian V. vor wenigen Wochen in der Domstadt festgenommen wurde, war den Ermittlern das Ausmaß noch nicht klar, mit dem sie später konfrontiert würden. 300.000 Stunden an Videomaterial wurde in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus gefunden, zahlreiche weitere Männer sind im Missbrauchsfall involviert. Ein Experte fordert nun eine bessere Prävention.

msl24, 20. Juli 2020

Kritik nach Tod eines Kleinkindes
Nach dem Tod eines Kleinkindes in Querfurt kritisieren Anwohner die Arbeit des Jugendamts. Ein Papier des Landtags dokumentiert die Arbeit der Jugendämter in den einzelnen Landkreisen. MDR SACHSEN-ANHALT hat die Zahlen ausgewertet.
MDR, 22. Juli 2020

Berlin. Plattenbau

Marzahn-Hellersdorf gilt als Problem-Kiez. Platte an Platte, Tausende Menschen auf engstem Raum. Was mag sich wohl abspielen hinter den verschlossenen Türen der Wohnungen? Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendämter müssen tagtäglich mit großen und kleinen familiären Tragödien umgehen. Es sind Menschen wie Diana Lehmann: Die 37-Jährige ist seit 2016 in dem Bereich tätig. Die Erfahrungen, die sie sammelte, hat sie in ihrem ersten Roman verarbeitet.

Berliner Zeitung, 11. August 2020
Schwere Vorwürfe gegen Jugendamt
Der Ex-Freund der Mutter des Achtjährigen, der aus der Drogen-Wohnung gerettet wurde, warnte die Behörden bereits im Juni.
Schweriner Volkszeitung, 29. September 2020
Keine Trennung von Jugend- und Behindertenhilfe mehr
Von 2028 an sollen die Jugendämter für alle rund 1,5 Millionen Kinder und Jugendlichen zuständig sein, die in Deutschland auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat am Freitag in Berlin die zentralen Vorhaben der seit Jahren debattierten Modernisierung der Kinder- und Jugendhilfe vorgestellt und sich zuversichtlich gezeigt, dass das Gesetz im kommenden Frühjahr in Kraft treten kann. Es sieht unter anderem vor, die Trennung zwischen Jugend- und Behindertenhilfe für Kinder und Jugendliche zu beenden.
epd, 9. Oktober 2020
Auch Erzieherin auf Anklagebank

Als Haupttäter gilt ein 27-Jähriger Münsteraner, bei dem im Frühjahr 2020 zahlreiche verschlüsselte Speichermedien gefunden wurden. Gemeinsam mit den drei anderen angeklagten Männern soll er im April 2020 teilweise über Tage hinweg den Sohn seiner Lebensgefährtin und einen weiteren Jungen, den fünfjährigen Sohn des Angeklagten aus Staufenberg, in einer Gartenlaube in Münster-Kinderhaus schwer sexuell missbraucht haben. Die Jungen sollen sie mit KO-Tropfen gefügig gemacht haben.

Mitangeklagt ist auch die Mutter des Hauptbeschuldigten, eine 45 Jahre alte Kindergartenerzieherin. Sie soll den Männern ihre Kleingartenlaube überlassen haben, in dem Wissen um die Taten.
WDR, 12. November 2020
Corona ohne große Auswirkungen
Die Corona-Krise hat auf die Fallzahlen von Kindeswohlgefährdungen und die Arbeit der Jugendämter offenbar deutlich geringere Auswirkungen, als zu Beginn der Pandemie befürchtet. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Freitag in Mainz vorgestellte Studie des Instituts für Sozialpädagogische Forschung (ism). Die Jugendämter hätten unter Bedingungen der Pandemie weiterhin gut funktioniert, sagte ism-Geschäftsführer Heinz Müller. Obwohl Schulen und Kindergärten im Frühjahr über Wochen hinweg geschlossen waren, seien die Mitarbeiter einer konstanten Zahl von gemeldeten Verdachtsfällen nachgegangen.
Evangelisch, 13. November 2020

Sonntag, 22. Dezember 2019

Aufgelesen 2019 (II)

Schluss mit der Pfennigfuchserei der Jugendämter

In Deutschland gibt es immer mehr Pflegekinder, also Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, sondern in Heimen oder in Ersatzfamilien. Dabei haben sie also ohnehin schon einen härteren Start ins Leben. Wer jobbt oder eine Ausbildung macht, muss davon 75 Prozent ans Jugendamt abgeben. Nur langsam kommt Bewegung in die Debatte um die Abgabe. SPD, Grüne und Linke wollen sie streichen, die Union will sie nur senken und den Freibetrag erhöhen. Welches Signal geht davon aus? Was macht das mit den jungen Erwachsenen, die zum Beispiel auch weniger ansparen können für die erste eigenen Wohnung ?

NDR, 11. Juni 2019

472 Beschwerden über Jugendämter und Familiengerichte

Der Ansatz der Bundesregierung, im Zuge der Reform der Kinder- und Jugendhilfe auch Betroffene anzuhören, stößt bei der Zielgruppe offenbar auf Anklang. Bei der wissenschaftlichen Anlaufstelle für hochproblematische Kinderschutzverläufe, die die Bundesregierung am 25. April beim Institut für Kinder- und Jugendhilfe in Mainz eingerichtet hat, haben sich bereits 472 Betroffene gemeldet, um über ihre negativen Erfahrungen mit Jugendämtern und Familiengerichten zu berichten. Das ergab die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion, über die die “Welt” berichtet.

Fulda Info, 23. Juni 2019


Keine Fragen zu den Taten
Im Prozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz bei Lügde sollen heute (12.00 Uhr) Kinder als Zeugen aussagen.
Nachdem am Donnerstag zum Auftakt vor dem Landgericht in Detmold alle Angeklagten Geständnisse abgelegt hatten, sollen die Opfer nach Aussage ihrer Anwälte aber nicht zu den Taten befragt werden. Es gehe mehr darum, dass das Gericht sich ein Bild machen wolle, wie es ihnen heute gehe.
Merkur, 28. Juni 2019

Weiterer Anstieg

In Rheinland-Pfalz hat es im vergangenen Jahr mehr Fälle eines Verdachts auf Kindeswohlgefährdung gegeben und auch mehr tatsächliche Gefährdungen. Insgesamt seien knapp 8300 Meldungen möglicher Gefährdungen von Nachbarn, Bekannten, der Polizei oder anderen eingegangen, teilte das Statistische Landesamt in Bad Ems am Donnerstag mit. Das seien knapp neun Prozent mehr als 2017 gewesen. Es ist bereits das fünfte aufeinanderfolgende Jahr mit einem Anstieg.

Süddeutsche Zeitung, 25. Juli 2019

Mehr Geld statt Gesetzesänderung
Der innenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Konstantin Kuhle, fordert 22 Millionen Euro mehr für Jugendämter. Nach der Gruppenvergewaltigung in Mülheim, bei der zwei Zwölf- und drei 14-Jähriger verdächtigt werden, sei das die richtige Antwort, nicht aber die Herabsetzung der Strafmündigkeit, heißt es in einem Positionspapier, über das die „Bild am Sonntag“ berichtet. Die 22 Millionen Euro sollten aus dem „Pakt für den Rechtsstaat“ kommen.
Presse Augsburg, 4. August 2019

Kinder in heruntergekommenem Gebäude

Nach Kenntnis des Jugendamtes halten sich vier weitere Kinder in der Immobilie auf, die nach Angaben des Landkreis-Sprechers als Hotelbetrieb firmiert. Diese Kinder seien „ebenso wenig wie die zwei in Obhut genommenen Kinder verwahrlost oder gefährdet“. Der Landkreis habe die Wohnverhältnisse „in Augenschein genommen“. Zahlreiche Zimmer in dem heruntergekommenen Gebäude werden nach Angaben aus Polizeikreisen von einem Dinklager Unternehmer an Werkvertragsarbeiter vermietet. Diese seien vornehmlich in der heimischen Schlachtbranche tätig.

Kreiszeitung, 10. August 2019

Jugendleiter wegen Missbrauchs vor Gericht

Der Prozess um schweren Kindesmissbrauch und Vergewaltigung gegen den ehemaligen Leiter einer Jugendeinrichtung in Cuxhaven ist am Montag mit der Anklageverlesung und der Vernehmung zweier Zeugen fortgesetzt worden. Am Montag berichteten ein Sozialarbeiter und eine Lehrerin, dass der 46-Jährige von der Tochter seiner Lebensgefährtin des jahrelangen schweren Kindesmissbrauchs beschuldigt worden sei. Das heute zwölfjährige Mädchen habe weinend und verängstigt gewirkt, als es ihnen von jahrelangen sexuellen Übergriffen des Stiefvaters berichtet habe, schilderte die Klassenlehrerin am zweiten Verhandlungstag.

Süddeutsche Zeitung, 19. August 2019

Kind stirbt, bevor das Jugendamt hilft

Nach dem Tod eines Kleinkindes Ende Juli steht das Jugendamt der Politik am Dienstagnachmittag (3. 9.2019) Rede und Antwort. Der Jugendhilfeausschuss informiert sich über die Rolle des Jugendamtes in diesem Fall und über Qualitätsstandards in Essen. Der zweijährige Junge war nach einem Hitzeschock in seinem Zimmer gestorben, wo er stundenlang alleine eingeschlossen gewesen sein soll.

Die Familie war dem Jugendamt bekannt. Eine geplante Betreuung von Eltern und Kindern durch den sozialen Dienst kam zu spät - der Junge starb wenige Tage vor dieser Maßnahme. Die Staatsanwaltschaft Essen ermittelt wegen Mordes gegen den Vater des kleinen Jungen.

WDR, 3. September 2019

"Kommunen ignorieren fachliche Standards"

Ist es ein Alarmsignal für die Gesellschaft, wenn die Zahl der Inobhutnahmen steigt?

Die Zahlen für ganz Deutschland belegen nicht, dass dem so ist. Und selbst wenn, das wäre kein Zeichen dafür, dass es mehr Misshandlungen oder Vernachlässigungen gibt, sondern dass mehr Sensibilität besteht, dass genauer hingeschaut wird. Nur weil immer wieder einige wenige schreckliche Misshandlungen bundesweit ein großes Medienecho finden, heißt das nicht, dass das Problem zunimmt.

Märkische Online-Zeitung, 19. September 2019

Das Reinheitsgebot
Ein Gespenst geht um in einigen Jugendämtern: dreckige Kinder. Sie werden täglich kein einziges Mal mit Persil gewaschen. Das missfällt auch Kommissar Internet. Eltern, die sich nicht an das Reinheitsgebot dieser Jugendämter halten, kann er nur zurufen: Bedenket, dass der Komiker Heinz Erhardt noch kurz vor seinem Tode damit angegeben hat, seine Ohren immer nur einmal mit Lenor zu waschen. Hätte er es täglich zweimal getan: Er lebte heute noch.

Hier weiterlesen 4. Oktober 2019

Interview mit Leiterin des Jugendamtes Geldern

Wann ist ein Kind besser in einer Pflegefamilie aufgehoben als bei seinen Eltern?

Walburga Bons Wenn wir unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehende Elternteile vorfinden, der Kühlschrank leer ist und das Kind im Müll krabbelt und akut keine Versorgung mehr stattfindet, können wir das Kind dort nicht so lassen. Dann kann es sein, dass wir das Kind in eine Bereitschaftspflege nehmen. Wir schauen, ob die Eltern bereit sind mitzuarbeiten und ob es die Möglichkeit gibt, das Kind zurückzuführen. Wenn die Mitarbeit der Eltern nicht so ist, wie wir es uns wünschen, gibt es ein Gerichtsverfahren und ein Gutachten, das eine Aussage zur Erziehungsfähigkeit trifft.
Rheinische Post, 21. Oktober 2019

Liebes Jugendamt,

ihr bekommt in diesen Tagen eine Rechnung von einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie, weil ihr in dieser Praxis ein Kind, das sich in eurer Obhut befindet, als Notfall angemeldet habt, aber mit dem Kind am 5. November nicht erschienen seid. Ihr habt den Termin auch nicht abgesagt. 

Sollte diese Rechnung im Jugendamt abhanden kommen, wie sonst nur die Wahrheit: Ich weiß, welche Praxis euch die Rechnung geschickt hat.


Das Jugendamt, 7. November 2019

Wenn Anlieger gegen Sportplätze klagen

Kinderlärm auf Sportplätzen soll künftig keine „schädliche Umwelteinwirkung“ im Sinne des Lärmschutzrechts mehr sein. Das hat der Berliner Senat beschlossen und sich einer entsprechenden Bundesratsinitiative des Landes Nordrhein-Westfalen angeschlossen. Zuvor hatten bereits Niedersachsen und das Saarland ihre Unterstützung zugesagt.


Die Länder wollen mit ihrem Gesetzesantrag erreichen, dass Sportplätze zumindest in den Zeiten, in denen sie von Kindern genutzt werden, künftig lärmschutzrechtlich ebenso privilegiert sind wie Kindertagesstätten und Spielplätze. Diese sind seit 2011 vor Anwohnerklagen weitgehend geschützt, denn bei der Beurteilung der dort entstehenden Geräuscheinwirkungen dürfen Immissionsgrenz- und -richtwerte nicht herangezogen werden.
Berliner Morgenpost, 10. November 2019

Besuche verboten

Sie bekomme eigentlich nie Besuch von ihrer Schulfreundin, klagt die junge Leonora. Obwohl sie sie immer wieder zu sich nach Hause einlade. Was damit zu tun hat, dass ihr Zuhause eine Wohngruppe in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe ist. Ein Kinderheim, wie man früher sagte. Die Eltern ihrer Freundin hätten Angst, sagt Leonora, dass ihre Tochter dort zu Schaden kommen könnte und würden ihr diese Besuche deshalb verbieten.

Meine Südstadt Köln,19. November 2019


Massenhafter Kindesmissbrauch
Die Dimensionen sind erschreckend und ein Ende noch nicht abzusehen: Im Zuge der Ermittlungen zu dem in Nordrhein-Westfalen entdeckten Kindesmissbrauch-Netzwerk sind mittlerweile 3300 Datenträger sichergestellt worden. Das erklärte ein Sprecher der Polizei Köln. Die Ermittler seien selbst von diesem Ausmaßen überrascht worden.

"Wir haben mit einer Vielzahl an Daten gerechnet, aber diese Masse, die wir vorgefunden haben und immer noch vorfinden, hat uns überrascht", sagte der Kölner Kripochef Klaus-Stephan Becker der Zeitung. In dem Fall, der in Bergisch Gladbach seinen Ausgangspunkt hatte, sollen etliche Männer ihre Kinder missbraucht und Bilder davon in riesigen Chat-Gruppen geteilt haben.
ntv, 7. Dezember 2019

Falsche Jugendamtsmitarbeiter unterwegs

Unheimliche Vorfälle in Nordrhein-Westfalen: In Gelsenkirchen und Duisburg haben sich Personen offenbar als Jugendamtsmitarbeiter ausgegeben und versucht, sich Zutritt zu Wohnungen zu verschaffen. Dabei sollen die Täter auch die Herausgabe von Kindern gefordert haben. Allerdings ist zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar, ob es sich tatsächlich um versuchte Kindesentführungen handelte oder um einen Trick, die Wohnung auszuspionieren. In Gelsenkirchen gab es bereits in der vergangenen Woche zwei Vorfälle. Am Donnerstagmittag ereignete sich ein ähnlicher Versuch in Duisburg. Beide Städte warnten jeweils in Pressemitteilungen vor den Tätern.

stern, 20. Dezember 2019

Dienstag, 11. Juni 2019

Aufgelesen (2019)

In Hamburg bleiben die Kinder am längsten weg

Im Bundesdurchschnitt konnten 41 Prozent der Kinder und Jugendlichen nach einer vorübergehenden Inobhutnahme wieder zu ihren Erziehungsberechtigten zurückkehren. Diese Quote variiert jedoch erheblich: Während in den Stadtstaaten Hamburg (27 Prozent) und Berlin (30 Prozent) nicht einmal ein Drittel der Kinder innerhalb desselben Jahres wieder in ihre Familie zurückkehren konnte, waren es in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern immerhin 46 Prozent.

Welt, 9. Januar 2019

Kleine Anfrage der FDP zu Inobhutnahmen und Antwort der Bundesregierung Hier klicken 

Dürfen geistig Behinderte Mütter sein? Jugendamt sagt nein

Melanie Werner vergisst manches, aber an diesen Moment erinnert sie sich genau. Ein Tag im August. Das Gefühl, dass es jetzt um alles geht. Paul, ihr Erstgeborener. Sie weiß auch noch, wie sie dachte: Den gebe ich nicht her. Viermal hat Melanie gespürt, wie Leben in ihr wächst. Wie sich ihr Bauch wölbt, weil ein Füßchen von innen dagegen tritt. Viermal hoffte sie, eine heile Familie zu gründen. Brachte sechs Kinder zur Welt: Paul, die Zwillinge Laurent und Mariella, die Zwillinge Andre und Maximilian, zuletzt Elfi-Melina.

Das Wohl des Kindes wäre bei der eigenen Mutter gefährdet, entschied das Jugendamt. Das ist erst vier Monate her. Viermal ist sie am Ende alleine nach Hause gegangen. Weil bei ihr das Wohl der Kinder gefährdet wäre, so die Entscheidung des Jugendamtes, bestätigt durch das Familiengericht.


Badische Zeitung, 10. Januar 2019

Pflegefamilien erfunden

Er soll Fälle bei Pflegefamilien erfunden haben, um sich mehr als 700.000 Euro selbst zu überweisen: Wegen Untreue steht ein ehemaliger Mitarbeiter des Jugendamtes im Eifelkreis Bitburg-Prüm seit Donnerstag vor dem Landgericht Trier. Konkret geht es um 238 Fälle aus den Jahren 2013 bis 2018, die die Staatsanwaltschaft dem Mann vorwirft. Weitere rund 250 Fälle ab 2005 sind verjährt. Wenn man diese dazu rechnet, beläuft sich der angerichtete Schaden insgesamt auf mehr als 1,5 Millionen Euro.

RTL, 24. Januar 2019

Betrug leicht gemacht

Durch die Berufsunfähigkeit seiner Frau habe er in einer finanziellen Notsituation gestanden, so der ehemalige Kreisinspektor heute. Seine Familie sei nach einem Hausbau in Luxemburg auf zwei Einkommen angewiesen gewesen. Fast 12 Jahre lang hatte er rund 10.000 Euro monatlich aus den Kassen der Kreisverwaltung genommen. Er habe sich selber gewundert, dass er so lange mit dieser Masche durchkam, so der vierfache Vater vor Gericht.

SWR aktuell, 24. Januar 2019


Kindesmissbrauch auf Campingplatz: Ermittlungen auch gegen Jugendämter

Drei Männer sollen im nordrhein-westfälischen Lügde nahe Bad Pyrmont mindestens 23 Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren über mehrere Jahre schwer sexuell missbraucht haben. Haupttatort war laut Polizei und Staatsanwaltschaft ein Campingplatz, auf dem der 56-jährige Hauptverdächtige als Dauercamper lebte. Vermutlich mehr als 1.000-mal sollen sich die mutmaßlichen Täter an Kindern vergangen haben. Darunter sind auch Opfer aus Niedersachsen. Die Männer - neben dem 56-jährigen Dauercamper ein 48-Jähriger aus Stade und ein 33-Jähriger aus Steinheim - wurden festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft. Die Polizei hat eine eigene Ermittlungskommission eingerichtet: die "EK Camping".

Die Ermittlungen richten sich aber auch gegen Mitarbeiter der Jugendämter in Hameln-Pyrmont und im nordrhein-westfälischen Landkreis Lippe. Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht der Fürsorgeverletzung. Eines der Opfer ist demnach die heute achtjährige Pflegetochter des 56-jährigen Hauptverdächtigen. Die leibliche Mutter stammt aus Hameln, das dortige Jugendamt hatte nach Bitten der Mutter genehmigt, dass der Mann Pflegevater des Kindes wurde.

NDR, 30. Januar 2019

Auch bei der Polizei Versäumnisse?

Wie konkret die Hinweise waren, wie ernst sie genommen wurden, warum sie keine Folgen hatten - all das müssen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen. Schon jetzt entsteht jedoch der Eindruck, dass sich die beteiligten Jugendämter in der Beurteilung des Falls uneins waren; dass erste Stellungnahmen anscheinend nicht die ganze Wahrheit wiedergaben; und dass es möglicherweise nicht nur bei den Jugendämtern Versäumnisse gab, sondern vielleicht auch bei der Polizei.

Spiegel online, 31. Januar 2019

Manchmal desaströs
"Ich frage mich, was in Deutschland schief läuft, wenn zwei Jugendämter einem Mann, dessen Wohnverhältnisse schon an sich nicht kindeswohlgerecht sind, anscheinend die Pflegschaft eines kleinen Mädchens überlassen, während an anderen Orten die Jugendämter schon bei sehr viel geringeren Anlässen und teilweise zu früh die Kinder aus Familien nehmen? Die Praxis der Jugendämter ist höchst unterschiedlich und ist an manchen Orten in Deutschland desaströs. Den konkreten Fall gilt es jetzt genau aufzuklären. Aber grundsätzlich dürfen Kommunen nicht bei ihren Jugendämtern am Personal, an dessen Weiterbildung, an ausreichend Zeit für den Einzelfall, an der Setzung von Standards und Qualitätssicherung sparen. Sie müssen der wichtigen Aufgabe der Jugendämter mehr Priorität einräumen. Ansonsten ist am Ende eine Kinderseele zerstört, es wird den Entscheidern im Jugendamt große Schuld aufgeladen und der Glaube der Bürgerinnen und Bürger in den Staat wird ausgehöhlt.“
Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Ehemalige Jugendamtsmitarbeiterin lässt grüßen
Ich wohne zum zweiten Mal in einem Hostel in Funchal auf Madeira. Das erste Mal im Dezember, nun bis zum 21. Februar. Besonders abends kommt es zu interessanten Begegnungen und Gesprächen im Innenhof des Hostels. Manche schweigen aber auch. Habe ich gestern erfahren.
Im Dezember verfolgte eine ältere Dame schweigend die Gespräche, die ich mit einem Mann aus Düsseldorf führte. Dabei ging es auch um Jugendämter, denn mein Krimi „Die Mörderin, die unschuldig ist“ hatte die Aufmerksamkeit einiger Gäste geweckt. Diese Broschüre stiftete ich der Bibliothek des Hostels.

Hier weiterlesen 18. Februar 2019

Beweismittel verschwunden

Bei den Ermittlungen zum massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde bei Bad Pyrmont ist Beweismaterial verschwunden. Es handelt sich um einen Koffer und eine Hülle mit insgesamt 155 CDs und DVDs, wie der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag mitteilte. Um das Verschwinden der Beweise aufzuklären, seien fünf Sonderermittler eingesetzt worden. Das Material verschwand den Angaben zufolge aus einem Sichtungsraum der Kriminalpolizei.

NDR, 22. Februar 2019

Außerdem soll sich ein Jugendamtsmitarbeiter als Aktenfälscher betätigt haben.

Auch in Gütersloh möglich

Könnte sich ein Missbrauchsskandal wie in Lügde auch im Kreis Gütersloh abspielen? Der Kreis erläuterte gestern im Jugendhilfeausschuss nach welchen Kriterien Pflegekinder im Kreis vermittelt werden. Knapp 240 Kinder leben aktuell laut Glocke in Pflegefamilien, die vom Kreis betreut werden. Über Hausbesuche, Fragebögen und Gespräche machen sich Mitarbeiterinnen ein Bild der Pflegeeltern. In den Bewerbungsprozess würden immer mehrere der zehn Mitarbeiter eingebunden. Die Leiterin der Abteilung Jugend beim Kreis, Birgitt Rohde, sagte zum Fall Lügde, keiner sei dagegen gefeit dass solche Katastrophen passieren könnten.  Gleichzeitig verwies sie auf regelmäßige Treffen, bei denen Auffälligkeiten besprochen werden.

Radio Gütersloh, 7. März 2019

Polizei holt Achtjährige von einem Spielplatz

Am Sonntag brachte die Essener Polizei zweimal ein Kind vom Spielplatz nach Hause. Kinder dürfen allein spielen gehen, so der Jugendamtsleiter.
Weil ein achtjähriges Mädchen am vergangenen Sonntag (3. März 2019) allein auf einem Spielplatz im Krayer Volksgarten spielte, haben Passanten zweimal die Polizei gerufen. Sie brachte das Kind mittags und nachmittags jeweils wieder zu den Eltern. Nun wird diskutiert, ob die besorgten Passanten richtig gehandelt haben oder hysterisch. Wir sprachen mit dem Leiter des Essener Jugendamtes, Ulrich Engelen, über den Fall.
WAZ, 7. März 2019

Schon 2016 Hinweise

Hamelns Landrat Tjark Bartels (SPD) räumte am Dienstag ein, dass schon 2016 eine Jobcenter-Mitarbeiterin, ein anderer Vater sowie eine Kindergarten-Psychologin den Verdacht auf sexuell übergriffiges Verhalten geäußert hätten. Diese Hinweise seien in den Akten vermerkt. In der Vergangenheit hatte der Landrat darauf verwiesen, dass sich die Akten noch bei der Staatsanwaltschaft befinden.

Der arbeitslose Dauercamper soll gemeinsam mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Sein Pflegekind soll er eingesetzt haben, um andere Opfer anzulocken.

Rheinische Post, 19. März 2019

Fünf weitere Kinder in Obhut genommen

Im Fall Lügde kam nicht nur die Pflegetochter von Andreas V. in Obhut. Das Jugendamt Lippe hat fünf weitere Kinder aus ihren Familien genommen. Auch zu ihnen gingen Anzeigen mit dem Verdacht auf Missbrauch ein.


Spiegel, 20. März 2019

Familienminister will Bundesgesetze ändern

NRW-Familienminister Joachim Stamp will nach dem Missbrauchs- und Behördenskandal von Lügde Bundesgesetze ändern. Die Doppelzuständigkeit der Jugendämter im Kreis Lippe und im niedersächsischen Hameln-Pyrmont sei nicht hilfreich gewesen, hieß es heute von Stamp in einem Bericht an den Familienausschuss des Düsseldorfer Landtags. Bei der Reform des Sozialgesetzbuches setze sich NRW dafür ein, bisherige Zuständigkeitsregelungen auf den Prüfstand zu stellen.

Radio Lippe, 28. März 2019

Im roten Bereich

Die amtliche Betreuung von Kindern in Pflegefamilien wird aus personellen Gründen immer schwieriger. "Überall wird händeringend nach Fachleuten gesucht, die kontrollieren können", sagte Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Dienstagausgaben). 

"Personell wird da schon lange im roten Bereich gearbeitet." Die Expertin sagte, dass es in Deutschland bislang zwar nur vereinzelt Fälle gegeben habe, wie sie am Sonntag in der TV-Krimi-Reihe "Polizeiruf" geschildert wurden. Darin ging es um illegal ins Ausland abgeschobene, deutsche Problem-Jugendliche, mit denen private Träger Geld verdienen. "Doch die Gefahr steigt durch die wachsende Zahl von Pflegekindern und der Personalnot in den kontrollierenden Jugendämtern", so die Verbandssprecherin.

Finanznachrichten, 8. April 2019 

Was die Polizei nicht findet...

Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR sind weitere Datenträger im Missbrauchsfall Lügde aufgetaucht. Mitarbeiter eines Abrissunternehmens hatten die Festplatten gefunden, als die Behausung des Hauptverdächtigen abgerissen wurde – und zwar nachdem der Tatort offiziell von Polizei und Staatsanwaltschaft freigegeben worden war. 

Schweriner Volkszeitung, 12. April 2019

Hamburger Jugendamt schützt Mädchen nicht
Über ihren "Notruf Genitalverstümmelung" wurde auch die TaskForce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung e.V. in den Fall involviert. Die Kinderschutzorganisation arbeitet in der Regel bei drohender Verstümmelungsgefahr eng mit den Jugendämtern zusammen, stellt Informationen bereit, berät zur Rechtslage und unterstützt bei der Erarbeitung der nötigen Anträge an die Familiengerichte. Doch nicht so im Hamburger Fall.


Statt mit der TaskForce zu kooperieren stellte das Jugendamt Hamburg Harburg infrage, ob das Gespräch zwischen der Kindsmutter und der Mitarbeiterin tatsächlich stattgefunden habe und verweigerte jegliche Auskunft über den Schutzstatus der Mädchen.

Neue Westfälische, 24. April 2019

Jugendamt ruft nicht zurück
Auf Wunsch der Mutter der 6-Jährigen lebte das Mädchen bei dem Mann auf dem Campingplatz in Lügde in Pflege. Davon habe der leibliche Vater nur zufällig erfahren, kritisiert er in einem Interview. Als er seine Tochter besuchen wollte, habe Andreas V. ihn vom Campingplatz getrieben.
Daraufhin habe der Vater, der zum Schutz seiner Tochter in den Medien anonym bleiben möchte, das Jugendamt mehrfach angerufen. Er ist erschrocken darüber, dass so ein junges Mädchen auf einem Campingplatz in Lügde unergebracht wurde.

owl, 6. Mai 2019

566 Mal Verdacht auf Missbrauch

Die Jugendämter in NRW verzeichneten im vergangenen Jahr mindestens 566 Verdachtsmeldungen auf sexuellen Kindesmissbrauch. Das geht aus einer Erhebung bei allen NRW-Jugendämtern hervor, die der WDR nach den Kindesmissbrauchsfällen von Lügde durchgeführt hat. Demnach gingen bei diesen Kommunen im vergangenen Jahr im Schnitt fünf solcher Verdachtsmeldungen ein. An der Umfrage haben 139 von insgesamt 186 Ämtern teilgenommen.

WDR, 19. Mai 2019

Warum wurde auch das Jugendamt eingeschaltet?

Der Fall hat für großes Aufsehen gesorgt: Frischgebackene Eltern in Hamburg hatten ihre neugeborene Tochter auf der Fahrt vom Krankenhaus nach Hause im Taxi vergessen. Erst als das Fahrzeug losfuhr, bemerkten die Eltern, die noch eine einjährige Tochter bei sich hatten, dass ihr Baby noch im Taxi war.

Hamburger Abendblatt, 22. Mai 2019

Finanzielle Probleme wegen Jugendamt

Ist der Wohnort ausschlaggebend für eine notwendige Maßnahme durch das Jugendamt zum Wohl der Kinder? Diese Frage muss sich jeder stellen, der sieht, in welchen Nöten so manche Kommunen stecken und wie diese durch ungeplante Maßnahmen des Jugendamtes finanzielle Probleme bekommen könnten. Wir zeigen Beispiele, lassen Wissenschaftler und Jugendamtsmitarbeiter zu Wort kommen und dokumentieren die Situation.

WDR, 26. Mai 2019

Was hat die Polizei gegen "Fridays for Future"?

Seit Wochen demonstrieren tausende Schülerinnen und Schüler jeden Freitag friedlich für mehr Klimaschutz. So soll es auch am 21. Juni sein. Da werden mehrere Zehntausend Jugendliche aus 16 Ländern zu einer Demonstration in Aachen erwartet. Einen Tag später soll es eine weitere Demonstration in der Nähe des Braunkohletagebaus Garzweiler geben. Doch im Vorfeld sorgt nun ein Brief der Aachener Polizei für Unruhe.

WDR, 6. Juni 2019
Die verachtete Behörde

Ich bin sehr gern auf Madeira und fliege dort so oft wie 
möglich hin. Die Insel ist einmalig, die Leute auch, 
mein Portugiesisch wird immer besser und ich 
lerne hier sehr interessante Menschen kennen.

Das Jugendamt, 11. Juni 2019