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Sonntag, 9. September 2018

Maßvolle Gewalt

Hier sind Landfrauen verwirrt worden.
Tipps vom Kreisjugendamt für Prügel

Bekämen die Mitarbeiterinnen des ASD Meldung über eine vermeintliche Kindeswohlgefährdung, werde im Team entschieden, ob das Jugendamt in diesem Fall eingreife. Maßgeblich für diese Entscheidung seien spezielle, sehr genau definierte Gefährdungsmerkmale. Dazu zähle körperliche Gewalt, bei welcher das Kind selbst betroffen sei. Bei der häuslichen Gewalt sei das Kind selbst nicht Opfer. Diese müsse sehr massiv sein, um zum Gefährdungsbereich zu zählen und liege etwa vor, wenn ein Vater die Mutter regelmäßig vor den Kindern verprügele.

Berichtet die "Oberhessische Zeitung" am 8. September 2018. 

Da lädt also der Bezirkslandfrauenverein Alsfeld seine Mitglieder in das Hotel Klingelhöffer ein und Christian Kornmann und Demi Ramovic verwirren die Zuhörerinnen und Zuhörer oder sind die beiden Mitarbeiter des Kreisjugendamtes falsch zitiert worden? 

Müssen etwa auch Nachbarn, die sich um Kinder sorgen, erst ein Team bilden, um festzustellen, ob ein Mann seine Frau regelmäßig oder doch nur gelegentlich verprügelt? Und wie sollen sich die Nachbarn verhalten, wenn eine Frau ihren Mann verhaut? Muss das auch regelmäßig sein? Und ebenfalls vor den Kindern?

Sollte man als Nachbar nicht die Polizei holen, wenn es nebenan Haue gibt? Ist nur regelmäßige häusliche Gewalt strafbar, gelegentliche aber nicht? Gehört das Jugendamt etwa nicht zu den Behörden, die sich der Prävention widmen? Und wie steht es um die Nachbarn? Sollen die nach einer Prügelei erst die Verletzungen des Opfers betrachten, bevor sie über das weitere Vorgehen entscheiden? Und dann auch noch die Kinder befragen, ob sie etwas mitbekommen haben?

Jeder ein Detektiv - und das Team aus dem Jugendamt sieht dann auch nicht weiter als bisher schon? Gibt es etwa auch schon Jugendamts-Broschüren mit dem Titel "So weit dürfen Sie vor Ihren Kindern bei häuslicher Gewalt gehen" und mit dem Titel "Verhaut euch nie vor euren Kindern"?

Im Interesse von Christian Kommann und Demi Ramovic sollten wir davon ausgehen, dass sie falsch zitiert worden sind.  

Sonntag, 18. Mai 2014

Gewalt-Videos

"Sie hängen wohl schon wieder zusammen." Berichtet eine Wilhelmshavenerin. Gehört hat sie das von einem Nachbarn der Opfer-Familie. Sie - das wären eine 14-Jährige, eine 17-Jährige und ein 17-Jähriger. Außerdem die Gaffer. Die 14-Jährige ist am 5. Mai 2014 auf einer Brücke von den beiden 17-Jährigen überfallen worden. Sie traten auf ihrem Opfer herum, als es bereits am Boden lag. Herumstehende filmten den Überfall, die Videos landeten im Netz und wurden bei Facebook verbreitet. Die Veröffentlichung sorgte für Entsetzen, andere schrien nach Lynchjustiz, die im Netz organisiert werden sollte. 40 Rabauken zogen los und warfen bei einem der vermutlichen Täter Scheiben ein.

"Wagner sagt Sätze wie: "Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens" und: "Jede Form von Gewalt ist zu verurteilen". Außerdem habe sich die Zahl der jugendlichen Gewalttaten seit 2008 halbiert, auf jetzt 93 im Jahr 2013. Später schreibt seine Pressestelle, dass das städtische Jugendamt Antiaggressivitätskurse mit "0,5 Stellen im Jugendamt und 733 eingekauften Fachleistungsstunden" anbietet. Ist das jetzt viel oder wenig?" Schreibt und fragt am 15. Mai 2014 die "Welt".

Andreas Wagner ist seit November 2011 der Oberbürgermeister von Wilhelmshaven. Braun gebrannt und mit gut sitzendem Anzug soll er laut "Welt" vor den Fernsehkameras gestanden haben, als etwa 200 Wilhelmshavenerinnen und Wilhelmshavener auf dem Valoisplatz gegen Gewalt protestierten.

Die von dem Opfer, von den beiden Tätern und den Gaffern längst wieder abgehakt worden ist? Sie hängen erneut zusammen - wie Gerüchten zufolge schon lange auf merkwürdige Weise? Die 14-Jährige soll schon zweimal schwanger gewesen sein, bei dem Überfall am 5. Mai 2014 hat sie diesen Gerüchten zufolge wieder ihr Baby verloren. Die 17-jährige Schlägerin sei von dem 17-jährigen Schläger schwanger. Die "Welt" deutet eine "Dreiecksbeziehung" nur an.  Das Trio soll im Netz Nacktaufnahmen veröffentlicht haben.

Derzeit scheint jede und jeder aus Wilhelmshaven etwas über diese Kinder und Jugendlichen zu wissen, die sich angeblich auch nach dem Überfall auf dem Schulhof der Integrierten Gesamtschule treffen. Ein Wilhelmshavener erzählt, dass die 17-jährige Schlägerin schon in einer Jugendhilfeeinrichtung und dann im Gefängnis gewesen sei. Das System habe offenbar versagt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter Tötung.

Wilhelmshaven ist eine tote Stadt, stellt in der "Welt" ein Rapper fest. Diese tote Stadt entlässt ihre Kinder, die sich täglich anhören müssen, wie hoch die Arbeitslosigkeit ist? Dass Wilhelmshaven verfällt, sehen sie, wenn sie aus dem Haus gehen. Wie rüpelhaft sogar Politiker miteinander umgehen, könnten die Kinder von Wilhelmshaven erfahren, wenn sie sich dafür noch interessieren würden. Über "Kultur des Hinsehens" können viele von ihnen nur noch müde lächeln. Hinsehen könnte in Wilhelmshaven nämlich zu einem Nervenzusammenbruch führen.

In solchen Fällen diskutieren Experten über den Sinn oder Unsinn von Gefängnisstrafen, als könne man den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Oberbürgermeister Andreas Wagner steht derweil der Sinn nach dem Ausbau von Ganztagsschulen in Wilhelmshaven: "Dann kommen junge Leute gar nicht erst auf solche Ideen." Wirklich?

Die Brücke des Überfalls ist vorher schon einmal ein Thema gewesen. Anlieger beschwerten sich über Müll und laute Treffen junger Leute. Ein SPD-Ratsherr sah sich dort sogar um. Geschehen ist aber nichts? Weil auch Verwaltung und Rat die "Kultur des Hinsehens" nicht pflegen? 

Donnerstag, 22. November 2012

Die Charité

Gehört auch zu einer Parallelwelt

"Eine Woche lang verheimlichte die Charité die widerliche Tat. Erst nachdem BILD über den Missbrauch berichtete, stellte die Klinik gestern Strafanzeige gegen den Krankenpfleger."

Berichtet dieses Boulevardblatt aus einer Parallelwelt, in der nicht nur angebliche Missbrauchsfälle so lange wie möglich vertuscht werden. Dieses Mal heißt der dafür Verantwortliche Karl Max Einhäupl (65), der sich sogar noch vor die Kameras traut. Man habe eigene Untersuchungen angestellt, berichtet er.

Was ist das nur für eine Parallelwelt, in der jahrelang getuschelt, aber nicht gehandelt wird? Mit welchem Recht machen Einrichtungen einen Bogen um die Ermittlungsbehörden und riskieren so, dass noch Schlimmeres passieren könnte? Was zählen da die Kinder? Wenn sich ein Krankenpfleger verdächtig macht, warum wird dann nicht alles getan, um ihn möglichst schnell von diesem Verdacht zu befreien oder ihn zu überführen, damit man ihm möglichst rasch helfen kann? Und warum tritt der Klinik-Chef nicht sofort zurück?

Es ist etwas faul im Staate Dänemark - und zwar schon lange. Auch die Kirchen haben jahrzehntelang Missbrauch und Gewalt in ihren Heimen geflissentlich übersehen, will jemand einen anderen ausbeuten oder klein machen, muss er sich nur hinter der Religionsfreiheit oder hinter den wirtschaftlichen Interessen eines Landes verstecken. Dass die Würde jedes Menschen unantastbar ist, steht zwar im Grundgesetz an erster Stelle, wird aber allem anderen untergeordnet.

Was soll eigentlich erreicht werden? Dass wir uns nirgendwo mehr sicher fühlen und davon ausgehen, dass wir doch immer nur die Dummen sind, denen man gelegentlich einen Brocken der Wahrheit hinwirft? Und was ist das für ein Klinik-Chef, der jetzt auch noch sagen darf, dass er ahnungslos gewesen sei? Trauen ihm nicht einmal seine eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Ist Karl Max Einhäupl ein weiterer Fleisch gewordener Beweis dafür, dass etwas dran ist am "Peter Prinzip"? Demnach macht jede oder jeder so lange Karriere, bis sie oder er eine Position inne hat, der sie oder er nicht mehr gewachsen ist. Dort verharrt er dann und richtet Schaden an.

Diese These ist inzwischen 43 Jahre alt und längst ein wenig überholt. Unfähige verharren schon lange nicht mehr in einem Amt, sie werden von einem Job zu einem anderen weitergereicht. Manche werden sogar noch befördert.








Samstag, 30. Januar 2010

Das Schicksal der Sylvia K.

30. Januar 2010
"Sozialisiert wie ein südeuropäischer Straßenköter, der um Gnade bittet"

„Mal verdiente ich gut, mal krebste ich herum“, beschreibt Sylvia K. (Name geändert) ihr bisheriges Leben, Stadtplanerin sei sie gewesen, TV-Autorin, sie habe die Welt gesehen und immer eins gefürchtet: den Verlust ihrer Freiheit. Denn: Sozialisiert worden sei sie wie „ein südeuropäischer Straßenköter - ohne die Hunde herunterputzen zu wollen“ in einem Kinderheim in Nordhessen. Welche Folgen diese Heimerziehung habe, das wolle sie erzählen. Sylvia K. lebt im Ausland, nach Deutschland zurückkehren will sie nicht.

Der Bundestag hat einen Runden Tisch eingerichtet, an dem das Schicksal von Heimkindern in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren aufgearbeitet werden soll. Wie haben Sie von diesem Runden Tisch erfahren?

Sylvia K.: Kürzlich habe ich im Radio auf WDR 5 eine Sendung gehört. Berichtet wurde, dass die Gewalt gegen Heimkinder thematisiert wird. Auch mein Bruder und ich wurden Opfer ausufernder Gewalt. Obwohl aus Bremerhaven, brachte man uns ins entfernte Nordhessen. In den folgenden Jahren sahen wir unsere Eltern nur noch einmal im Jahr, und zwar abwechselnd unseren Vater und unsere Mutter. Der Ort hieß Vöhl, es war ein Kinderheim der AWO.

Wie andere Heimkinder auch, haben Ihr Bruder und Sie Gewalt erlebt?

Sylvia K.: Der damalige Heimleiter war ein Bilderbuch-Nazi. Er zertrat meinen am Boden liegenden Bruder vor meinen Augen. Er hat sich davon nie erholt. Ich habe die Bilder aus diesem Heim, in dem ich vom 5. bis zum 10. Lebensjahr war, noch heute vor Augen. Doch auf die grauenhaften Geschehnisse und meine persönlichen Erlebnisse möchte ich nicht eingehen.

Worüber möchten Sie denn sprechen?

Sylvia K.: Über die Nachwirkungen. Zum einen, das weiß ich heute, hat das Selbstwertgefühl gelitten - bis hin zu Selbstmordgedanken. Man hat uns sozialisiert wie einen südeuropäischen Straßenköter, der in der Rangordnung ganz unten stehend nur noch um Gnade winselt, damit er nicht geschlagen wird. Eins habe ich immer gefürchtet: den Verlust meiner Freiheit und abhängig zu werden von anderen Menschen. Ich war gebrandmarkt. Egal, was ich tat oder wo ich war, ich blieb das Heimkind, das sich schämt, weil es nicht wie die anderen war.

Aus Ihrem Lebenslauf weiß ich aber, dass Sie Abitur gemacht und studiert haben.

Sylvia K.: Stimmt. Das habe ich meiner kämpferischen Mutter zu verdanken und meinem Vorsatz, dass ich nie wieder etwas mit sozialem Elend zu tun haben will. Ich habe Geologie und Geografie studiert. Ich lernte fliegen, war Stadtplanerin, lernte als TV-Autorin die Welt kennen, mal verdiente ich gut, mal krebste ich rum.

Weitere Informationen

Montag, 24. August 2009

Jugendschutz

24. August 2009
Immer mehr Gewalt und Pornografie im Netz

Immer mehr Kinder und junge Leute werden im Netz sexuell belästigt, gemobbt oder zu Dummheiten verführt. Das geht aus dem heute veröffentlichten Jahresbericht von jugendschutz.net hervor. Diese Zentralstelle der Bundesländer hat zum ersten Mal über 3 000 neue Verstöße registriert. In 1 369 Fällen war Deutschland das Ursprungsland (plus 11 Prozent). Dabei handelte es sich vornehmlich um Pornografie (62 Prozent) und um die Verherrlichung von Essstörungen.

Jens sitzt in jeder freien Minute vor dem Computer seines Vaters. Der Zehnjährige weiß: Papi schaut sich auch gern mal Schweinkram an. Den findet der Junge mühelos, weil sein Vater Spuren nicht verwischt. Der Junge notiert sich die Fundstellen, verteilt sie auf dem Schulhof und wird deshalb von einigen Mitschülern für cool gehalten. Auch in Chaträumen prahlt der Zehnjährige mit seinem Wissen herum.

Web 2.0 fasziniert Kinder und Jugendliche. Sie nutzen Videoplattformen und soziale Netzwerke. Doch die sind nicht ohne neofaschistische Propaganda, Gewaltprediger und sexuelle Belästigungen. Auf Videoplattformen fanden die Jugendschützer 1 460 Gewalt- und Neonazifilme (Vorjahr: 660), in sozialen Netzwerken stieg die Zahl pornografischer Beiträge und rechtsextremer Hasspropaganda.

Jessica kann im Netz ebenfalls tun und lassen, was sie will. Entdeckt sie neue Seiten, meldet sie sich dort an und da sie sich selbst für süß hält, gibt sie sich entsprechende Namen. Dann fährt der 13-Jährigen der Schreck in die Glieder. In einem Chatroom macht ihr jemand eindeutige Angebote. Was tun? Ihre Mutter kann sie nicht fragen. Die weiß nicht einmal, wie man eine mail schreibt.

Bei jugenschutz.net gingen im vergangenen Jahr 10 800 Beschwerden und Anfragen ein (plus 17 Prozent), 6300 Websites wurden unter die Lupe genommen, die 69 wichtigsten Chats und Communities standen stets auf der Kontrollliste, außerdem wertete die Zentralstelle 12 800 Fundstellen in Suchmaschinen und auf Videoplattformen aus.

Immer noch gibt es unzählige Eltern, die nicht wissen, wohin ihre Kinder im Internet surfen. Beklagen die Jugendschützer. Viele Mütter und Väter kümmern sich auch nicht darum. Geändert werden soll das mit LAN-Partys für Eltern, die beispielsweise in Niedersachsen mit steigendem Erfolg gefeiert werden, und mit dem Projekt Eltern-Medien-Trainer, das ebenfalls in Niedersachsen entwickelt worden ist.

Dienstag, 18. August 2009

Hannoversche Familienpraxis

18. August 2009
Gewalt in Familien: Sparkasse Hannover rettet Pilotprojekt

Die „Hannoversche Familienpraxis“ für Mütter und Väter, die Gewalt anwenden, wäre beinahe aus Geldmangel wieder beendet worden, 2008 übernahm der hannoversche Verein „Die Waage“ die Betreuung von zehn Familien, die zu tätlichen Auseinandersetzungen neigten, dieses Pilotprojekt war erfolgreich, die Vereinskasse leer. Deswegen konnte in diesem Jahr erst einmal nicht weiter gemacht werden. Doch jetzt ist die Sparkasse Hannover eingesprungen.

Gelernt hat die „Hannoversche Familienpraxis“ vom so genannten „Cochemer Modell“. „Wenn einer den Gerichtssaal als Sieger verlässt, hat das Kind verloren", sagt der Familienrichter Jürgen Rudolph, der in drei Jahrzehnten über mehr als 4 000 Scheidungen zu Gericht gesessen hat. 1992 gehörte er zu den Initiatoren des Arbeitskreises Cochem, in dem Vertreter der Lebensberatung, des Familiengerichtes, Gutachter, das Kreisjugendamt, Mediatoren und Anwälte des Landkreises sitzen.

Kinder leiden unter Trennungen, dieses Leid wird verstärkt, wenn sich die Eltern während des Trennungsprozesses in die Haare bekommen. Das will dieser Arbeitskreis verhindern. Gelingt es nämlich einem Elternteil, das Kind gegen den anderen Elternteil aufzuhetzen, ist für das Kind eine negative soziale Karriere fast schon vorgezeichnet. Das beweisen Forschungen in den USA. Auf solche Forschungsergebnisse greift der Arbeitskreis Cochem oft zurück, denn in Deutschland steckt die Wissenschaft auf diesem Gebiet noch in den Kinderschuhen.

In der Region Hannover muss die Polizei jedes Jahr um die 3000 Mal ausrücken, um häusliche Gewalt zu beenden. Kinder und Jugendliche geraten immer wieder zwischen die Fronten. Wie man Konflikte friedlich löst, müssen solche Familien erst lernen.

Zur 2006 eingeführten „Hannoverschen Familienpraxis“ gehört ein beschleunigtes Verfahren. Anhörungstermine werden schnell angesetzt. Ob auch gewaltbereite Familien einbezogen werden sollen, ist anfangs umstritten gewesen. Schließlich starteten Amtsgericht und „Die Waage“ das Pilotprojekt.

Den Verein gibt es seit 1990. Er hat bereits angekündigt: „Wir bemühen uns weiter um öffentliche Mittel.“

Donnerstag, 25. Juni 2009

Keine Gewalt mehr

25. Juni 2009
Gebt mal fein Acht!

Liebe Kinder, nun gebt mal fein Acht, gut, es kann auch Neun sein, die Justizminister der Länder haben sich etwas ausgedacht: „Tagesschau“ gibt es nicht mehr, „heute“-Nachrichten auch nicht, bekommen eine Altersfreigabe erst ab 18, und wenn in zehn Jahren am Hindukusch immer noch die Freiheit verteidigt werden muss, erfahrt ihr das schon noch früh genug. Wenn ihr da seid.

Schluss ist auch mit diesen schlimmen Geschichten über ältere Damen, die von frechen Kindern in einen Ofen geschubst werden, und von Wölfen, die mit Steinen im Bauch auf Nimmerwiedersehen in einem Brunnen verschwinden. Solche Erzählungen machen die Justizminister der Länder sehr grimmig. Bekommen ebenfalls erst eine Altersfreigabe ab 18.

Deutsch aus Zeitungen lernen, ist für euch zwar jetzt schon schwer genug, wird aber noch schwerer. Das meiste wird herausgeschnitten. Von euren Eltern, die sonst Probleme bekämen. Denn auch Meldungen über wahnsinnige Politiker bekommen eine Altersfreigabe erst ab 18.

Doch, liebe Kinder, gebt noch mehr fein Neun, gut, es kann auch Acht sein, die Justizminister der Länder wollen euch doch nur schützen. Vor Gewalt. Die gibt es ab sofort erst mit 18. Dann aber richtig. Ist das nicht fein?

Au fein, sagt ihr? Von heute an verhaut ihr eure kleine Schwester nicht mehr und geht immer so früh ins Bett, dass eure Eltern gar keinen Gedanken mehr daran verschwenden müssen, dass ihr euch die Nachrichten anschauen oder zu lange vor dem Computer sitzen könntet? Genau: Das sind Märchen. Die von den Justizministern der Länder auch schon für gerade erst Geborene frei gegeben werden.

Montag, 2. März 2009

Cybermobbing

2. März 2009
Im Netz lauern viele Gefahren auf Kinder

Hannover (tj). Mehr als ein Viertel der 12- bis 19-Jährigen hat bereits im Internet Gewalt erlebt. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt die Niedersächsische Landesmedienanstalt in einer von ihr in Auftrag gegebenen aktuellen Studie. Viele Eltern ahnen das nicht einmal, wissen nichts über Cyber-Mobbing, Gewaltverherrlichung und frei zugängliche Porno-Seiten im Netz.

Wichtige Aufklärungsarbeit bei Müttern und Vätern leisten Medien-Trainer. Immer beliebter werden auch LAN-Partys, die von der Landesstelle Jugendschutz für Eltern organisiert werden. Außerdem gibt es ein Faltblatt „Surfen - Kinder sicher online“.

Darauf hat heute die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann bei einer Jugendmedienschutztagung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt hingewiesen. Sie sagte in Hannover: "Kinder und Jugendliche sollen sich auch in virtuellen Welten bewegen und zurechtfinden. Sie dürfen dabei nur nicht allein gelassen werden."

Es lauerten Gefahren im Internet, die gerade von jüngeren Nutzern nicht oder nicht gleich erkannt würden. Um Kinder und Jugendliche auch besser vor Datenmissbrauch und dem so genannten Cybermobbing zu schützen, sei die Aufklärung über die Folgen ihres Handelns der Schlüssel zum Erfolg.

Ross-Luttmann weiter: "Deshalb verstärken wir unsere Aufklärungsarbeit und erhöhen die Medienkompetenz von Eltern und pädagogischen Fachkräften."