In den Akten, die dem Untersuchungsausschuss im NRW-Landtag vorliegen, wird das Mädchen "Daniela" genannt - nicht ihr richtiger Name. Sie ist eines der Kinder, dem über einen längeren Zeitraum auf dem Campingplatz in Lügde sexuelle Gewalt angetan wurde. Missbraucht wurde sie vor allem von Mario S., dem jüngeren der beiden verurteilten Haupttäter. Er ist ihr Patenonkel.
Kindesmissbrauch in Münster-Kinderhaus: Weiteres Urteil
Yunus C. (27) wird in Saal A.14 gebracht. Sein Gesicht versteckt er hinter einer Akte. Über dem
Kopf trägt er noch ein schwarzes Tuch. Er atmet schwer. In einem weiteren Prozess im Missbrauchskomplex Münster hat das Landgericht den Aachener unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 13 Fällen zu neun Jahren Haft verurteilt. Insgesamt waren 21 Taten Gegenstand des Urteils.
Bild, 9. März 2021
Die Bundesregierung will den Besitz und das Verbreiten von Anleitungen zu sexuellem Missbrauch von Kindern unter Strafe stellen. Das geht aus einem Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums hervor, der unserer Redaktion vorliegt und der am morgigen Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll.
Wer einen Inhalt verbreite oder öffentlich zugänglich mache, der als Anleitung für den sexuellen Missbrauch von Kindern diene, werde „mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es in der Formulierungshilfe des Ministeriums für den Gesetzentwurf.
Der Untersuchungsausschuss werde auch in der nächsten Legislaturperiode im Landtag fortgesetzt werden müssen, sagt der Ausschussvorsitzende Martin Börschel von der SPD. Bei der Aufklärung möglicher Amtsversäumnisse rund um den hundertfachen Kindesmissbrauch in Lügde stehe man aktuell noch vor großen Hürden.
"Fehlende Aktenlieferungen, mangelnde Kooperationsbereitschaft, legitime Auskunftsverweigerungsrechte, die Corona-Pandemie – da kam schon etliches zusammen, was unsere Arbeit sehr sehr erschwert hat", sagte Börschel dem WDR-Magazin Westpol. "Und ein bisschen mehr guter Wille bei vielen Beteiligten hätte schon geholfen, das Leid der Opfer aufzuklären und Schlimmeres für die Zukunft zu verhindern."
Ein von der SPD-Fraktion über den Parlamentarischen Beratungs- und Gutachterdienst des Landtages in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten gibt nun Antworten auf diese und weitere Fragen. Ergebnis: Einige Dinge könnte das Land neu regeln, andere hingegen nicht.
Herber Dämpfer
Zum Scheitern des Koalitionsvorhabens, Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern, erklärt das Aktionsbündnis Kinderrechte (Deutsches Kinderhilfswerk, der Kinderschutzbund, UNICEF Deutschland, in Kooperation mit der Deutschen Liga für das Kind):
„Das Scheitern der Verhandlungen über die Aufnahme von Kinderrechten im Grundgesetz ist ein herber Dämpfer für die Kinder, Jugendlichen und Familien unseres Landes, die in den vergangenen Monaten ohnehin schon wenig Unterstützung erfahren haben. Die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, dass Kinderrechte bisher zu häufig übergangen werden."
UNICEF, 8. Juni 2021
Immer dieselbe Diagnose
Michael Winterhoff, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Praxis in Bonn, ist deutschlandweit bekannt und war in der Vergangenheit immer wieder in Talkshows zu Gast. Seine Thesen, etwa dass Eltern in Deutschland ihre Kinder zu „Tyrannen“ erziehen und dadurch die gesamte Gesellschaft bedroht sei, sind seit Langem umstritten.
Am Dienstag waren Recherchen des WDR und der „Süddeutschen Zeitung“ zu Michael Winterhoff veröffentlicht worden, darunter auch der Dokumentarfilm „Warum Kinder keine Tyrannen sind“ von WDR-Autorin Nicole Rosenbach. Unter anderem geht es darum, dass Winterhoff Kindern systematisch und ohne tatsächliche Anamnese stets dieselbe, fachlich nicht haltbare Diagnose gestellt und ihnen ohne medizinische Indikation Psychopharmaka verschrieben haben soll, teilweise ohne Einwilligung der Sorgeberechtigten.
Auchter-Mainz berichtete, sie erlebe "immer wieder", dass Hinweisgeber - zum Beispiel Lehrerinnen, Heimpersonal oder Kinderärzte - angeben, dass sie "gar keine Rückmeldung, kein Kontakt, keine Resonanz" bekommen, nachdem sie einen Verdachtsfall gemeldet hätten. Sie sprach von "wenig Zufriedenheit" mit den Jugendämtern. Sie bekomme Anrufe, wonach dort "ganz junge Leute", denen die nötige Ausbildung fehlt, eingesetzt würden.
Ein Kinderarzt habe ihr berichtet: "Das geht so nicht. Ich melde was, ich bin 30 Jahre in einem Problembezirk, ich sehe das Kind und weiß, wann ich was melde. Aber ich kriege gar keine Rückmeldung."
