Montag, 9. Juli 2018

Aufgelesen (2018)

Kinder- und Jugendhilfe: Kosten steigen
Eine Ursache für die enorme Kostensteigerung sieht der Landesrechnungshof in einem Mangel an Pflegefamilien. So werden 60 Prozent der betroffenen Kinder in Heimen untergebracht, wo die Ausgaben von 94 Millionen auf 184 Millionen Euro stiegen. Dabei, so die Prüfer, erscheine "eine familiäre Unterbringung für Kinder und Jugendliche grundsätzlich geeigneter".
Pflegefamilien sind auch billiger. "Ich bekomme monatlich 800 Euro pro Kind", berichtet ein Betroffener in Nordsachsen, der mit seiner Frau seit vier Jahren zwei Mädchen betreut, die heute 17 und 11 Jahre alt sind. Ein Heimplatz koste um die 3000 Euro. Sein Eindruck: "Einige Träger sehen das als Wirtschaftsbetrieb." Pflegeeltern müssten mitunter lange auf ein Pflegekind warten.
Freie Presse, 3. Januar 2018

Leben in Ungewissheit

Das kleine Mädchen hatte eine Menge zu verkraften: die Trennung vom Bruder, der in einem Heim lebt, die Drogensucht der Mutter, die Tatsache, dass der Vater im Gefängnis sitzt. Sicherheit und Geborgenheit erlebte die siebenjährige Jessie erst bei ihrem Onkel, der sie als Pflegekind aufgenommen hat. Doch Hilfe und Unterstützung haben Mario Kessler und seine Frau vom Jugendamt lange Zeit nicht bekommen – kein Einzelfall.

Mitteldeutscher Rundfunk, 14. Februar 2018

Ombudsperson für Schlichtung

Wolfgang Seelbach, Kreistagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen glaubt, dass manche Entscheidung des Jugendamtes nur besser erläutert werden müsse. „Das ist aber nur selten möglich, wenn die Emotionen hochkochen.“ Darum solle möglichst eine Ombudsperson solche Auseinandersetzungen schlichten. Im Idealfall könne eine Partei in einem Sorgerechtsverfahren die Ombudsperson anrufen. Dann werde geschlichtet.

Märkische Allgemeine, 27. März 2018


Jugendamtsmitarbeiter wegeschließen

In all dem Elend des Kinder- und Jugendhilfesystems gibt es natürlich auch Lichtblicke, für die alle sorgen, die solchen Behörden wie dem Wilhelmshavener Jugendamt die Tranfunzeln entreißen. Da gibt es zum Beispiel eine Schulleiterin, die eines Morgens ein Kind aus dem Unterricht holen und zwei Jugendamtsmitarbeiterinnen übergeben soll. Sie bittet die Behördenvertreterinnen in ihr Büro und schließt sie ein.

Das Jugendamt, 7. Mai 2018,  Hier weiterlesen


Wende in Sorgerechtsstreit

Im Fall eines elfjährigen Jungen, dessen Vater wiederholt die Arbeit des Jugendamtes Havelland kritisiert hatte, hat es eine überraschende Wende gegeben. Durch den Bericht eines Polizeibeamten über ein Gespräch mit dem Jungen, der dem Amtsgericht bei einer neuerlichen Verhandlung am 7. Mai vorlag, hat es eine Entscheidung im Sinne des Vaters gegeben.


Der Vater Karsten K. versucht seit Jahren, vor Gericht ein gemeinsames Sorgerecht und die Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts für seinen Sohn zu erstreiten. Die Eltern waren nie verheiratet, hatten einige Jahre zusammen gelebt und sich 2009 getrennt.

Wieder weiße Bettlaken?

Fünf Jahre ist es her, dass zum ersten Mal weiße Bettlaken aus den Fenstern einiger Berliner Jugendämter hingen. Die weiße Fahne als Zeichen der Kapitulation. Gute Kinderschutzarbeit sei nicht mehr zu leisten, hieß es schon damals. Zu viele Fälle, zu wenige Sozialarbeiter, die sich um die Familien kümmern. Schließzeiten wurden eingerichtet, um liegengebliebene Arbeit abzutragen. Einige Stellen mehr wurden finanziert. Doch rund läuft es in den Jugendämtern noch immer nicht.

Berliner Kurier, 19. Mai 2018

Hört sich wie ein schlechter Scherz an, ist aber wohl keiner

Sozialsenatorin Anja Stahmann will vor den Sommerferien den Prozess zur Entlastung von Fallmanagern im Jugendamt in Gang bringen. Vorbild könnte Hamburg sein, dort wurden rund 76 Stellen geschaffen.

Weserkurier, 3. Juni 2018

Lange Wartezeiten für Familien

Hohe Arbeitsbelastung, unbesetzte Stellen, fehlende Bewerber: Seit Langem arbeiten die Mitarbeiter der Regionalen Sozialen Dienste in den Jugendämtern der Berliner Bezirke unter schwierigen Bedingungen. Leidtragende sind vor allem auch Kinder und Familien in Problemsituationen, die Hilfe brauchen. Sie müssen immer länger auf immer weniger Termine warten, Gespräche fallen kürzer aus, bei Gerichtsterminen werden sie häufiger allein gelassen. Bis Hilfsmaßnahmen beginnen, vergeht oft lange Zeit.

rbb, 25. Juni 2018

Kinderleben gefährdet?

Die Botschaft ist drastisch: "Politisches Versagen gefährdet Kinderleben" steht auf einem der vielen Transparente, die Mitarbeiter der Berliner Jugendämter am Morgen vor der Senatsbildungsverwaltung entrollen. Zu wenig Personal bei zu vielen Fällen, dauerhafte Überlastung und fehlende Anerkennung - das sei Alltag in den Sozialen Diensten der Berliner Jugendämter, sagt Sozialpädagogin Ines: "Wenn alle nicht mehr weiter wissen, dann macht man eine Meldung beim Jugendamt. Und wir stehen mit einem Bein im Gefängnis, wenn wir nicht dafür sorgen, dass das Kind sicher ist."

rbb, 6. Juli 2018

Mehr Geld für ein schlechtes System?

Wenn ein System schlecht ist, steigert man die Zahl der Beschäftigten in diesem System und bezahlt jeden Beschäftigten besser? Diese Frage muss man sich stellen, wenn man hört und liest, was Jugendamtsmitarbeiterinnen und Jugendamtsmitarbeiter fordern, die in diesen Tagen in Berlin auf die Straße gegangen sind. Sie wollen 140 neue Stellen und werfen der Politik Versagen vor.

Hier weiterlesen 9. Juli 2018

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