Montag, 6. Mai 2019

Aufgelesen (2019)

In Hamburg bleiben die Kinder am längsten weg

Im Bundesdurchschnitt konnten 41 Prozent der Kinder und Jugendlichen nach einer vorübergehenden Inobhutnahme wieder zu ihren Erziehungsberechtigten zurückkehren. Diese Quote variiert jedoch erheblich: Während in den Stadtstaaten Hamburg (27 Prozent) und Berlin (30 Prozent) nicht einmal ein Drittel der Kinder innerhalb desselben Jahres wieder in ihre Familie zurückkehren konnte, waren es in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern immerhin 46 Prozent.

Welt, 9. Januar 2019

Kleine Anfrage der FDP zu Inobhutnahmen und Antwort der Bundesregierung Hier klicken 

Dürfen geistig Behinderte Mütter sein? Jugendamt sagt nein

Melanie Werner vergisst manches, aber an diesen Moment erinnert sie sich genau. Ein Tag im August. Das Gefühl, dass es jetzt um alles geht. Paul, ihr Erstgeborener. Sie weiß auch noch, wie sie dachte: Den gebe ich nicht her. Viermal hat Melanie gespürt, wie Leben in ihr wächst. Wie sich ihr Bauch wölbt, weil ein Füßchen von innen dagegen tritt. Viermal hoffte sie, eine heile Familie zu gründen. Brachte sechs Kinder zur Welt: Paul, die Zwillinge Laurent und Mariella, die Zwillinge Andre und Maximilian, zuletzt Elfi-Melina.

Das Wohl des Kindes wäre bei der eigenen Mutter gefährdet, entschied das Jugendamt. Das ist erst vier Monate her. Viermal ist sie am Ende alleine nach Hause gegangen. Weil bei ihr das Wohl der Kinder gefährdet wäre, so die Entscheidung des Jugendamtes, bestätigt durch das Familiengericht.


Badische Zeitung, 10. Januar 2019

Pflegefamilien erfunden

Er soll Fälle bei Pflegefamilien erfunden haben, um sich mehr als 700.000 Euro selbst zu überweisen: Wegen Untreue steht ein ehemaliger Mitarbeiter des Jugendamtes im Eifelkreis Bitburg-Prüm seit Donnerstag vor dem Landgericht Trier. Konkret geht es um 238 Fälle aus den Jahren 2013 bis 2018, die die Staatsanwaltschaft dem Mann vorwirft. Weitere rund 250 Fälle ab 2005 sind verjährt. Wenn man diese dazu rechnet, beläuft sich der angerichtete Schaden insgesamt auf mehr als 1,5 Millionen Euro.

RTL, 24. Januar 2019

Betrug leicht gemacht

Durch die Berufsunfähigkeit seiner Frau habe er in einer finanziellen Notsituation gestanden, so der ehemalige Kreisinspektor heute. Seine Familie sei nach einem Hausbau in Luxemburg auf zwei Einkommen angewiesen gewesen. Fast 12 Jahre lang hatte er rund 10.000 Euro monatlich aus den Kassen der Kreisverwaltung genommen. Er habe sich selber gewundert, dass er so lange mit dieser Masche durchkam, so der vierfache Vater vor Gericht.

SWR aktuell, 24. Januar 2019


Kindesmissbrauch auf Campingplatz: Ermittlungen auch gegen Jugendämter

Drei Männer sollen im nordrhein-westfälischen Lügde nahe Bad Pyrmont mindestens 23 Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren über mehrere Jahre schwer sexuell missbraucht haben. Haupttatort war laut Polizei und Staatsanwaltschaft ein Campingplatz, auf dem der 56-jährige Hauptverdächtige als Dauercamper lebte. Vermutlich mehr als 1.000-mal sollen sich die mutmaßlichen Täter an Kindern vergangen haben. Darunter sind auch Opfer aus Niedersachsen. Die Männer - neben dem 56-jährigen Dauercamper ein 48-Jähriger aus Stade und ein 33-Jähriger aus Steinheim - wurden festgenommen und sitzen in Untersuchungshaft. Die Polizei hat eine eigene Ermittlungskommission eingerichtet: die "EK Camping".

Die Ermittlungen richten sich aber auch gegen Mitarbeiter der Jugendämter in Hameln-Pyrmont und im nordrhein-westfälischen Landkreis Lippe. Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht der Fürsorgeverletzung. Eines der Opfer ist demnach die heute achtjährige Pflegetochter des 56-jährigen Hauptverdächtigen. Die leibliche Mutter stammt aus Hameln, das dortige Jugendamt hatte nach Bitten der Mutter genehmigt, dass der Mann Pflegevater des Kindes wurde.

NDR, 30. Januar 2019

Auch bei der Polizei Versäumnisse?

Wie konkret die Hinweise waren, wie ernst sie genommen wurden, warum sie keine Folgen hatten - all das müssen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen. Schon jetzt entsteht jedoch der Eindruck, dass sich die beteiligten Jugendämter in der Beurteilung des Falls uneins waren; dass erste Stellungnahmen anscheinend nicht die ganze Wahrheit wiedergaben; und dass es möglicherweise nicht nur bei den Jugendämtern Versäumnisse gab, sondern vielleicht auch bei der Polizei.

Spiegel online, 31. Januar 2019

Manchmal desaströs
"Ich frage mich, was in Deutschland schief läuft, wenn zwei Jugendämter einem Mann, dessen Wohnverhältnisse schon an sich nicht kindeswohlgerecht sind, anscheinend die Pflegschaft eines kleinen Mädchens überlassen, während an anderen Orten die Jugendämter schon bei sehr viel geringeren Anlässen und teilweise zu früh die Kinder aus Familien nehmen? Die Praxis der Jugendämter ist höchst unterschiedlich und ist an manchen Orten in Deutschland desaströs. Den konkreten Fall gilt es jetzt genau aufzuklären. Aber grundsätzlich dürfen Kommunen nicht bei ihren Jugendämtern am Personal, an dessen Weiterbildung, an ausreichend Zeit für den Einzelfall, an der Setzung von Standards und Qualitätssicherung sparen. Sie müssen der wichtigen Aufgabe der Jugendämter mehr Priorität einräumen. Ansonsten ist am Ende eine Kinderseele zerstört, es wird den Entscheidern im Jugendamt große Schuld aufgeladen und der Glaube der Bürgerinnen und Bürger in den Staat wird ausgehöhlt.“
Marcus Weinberg, familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Ehemalige Jugendamtsmitarbeiterin lässt grüßen
Ich wohne zum zweiten Mal in einem Hostel in Funchal auf Madeira. Das erste Mal im Dezember, nun bis zum 21. Februar. Besonders abends kommt es zu interessanten Begegnungen und Gesprächen im Innenhof des Hostels. Manche schweigen aber auch. Habe ich gestern erfahren.
Im Dezember verfolgte eine ältere Dame schweigend die Gespräche, die ich mit einem Mann aus Düsseldorf führte. Dabei ging es auch um Jugendämter, denn mein Krimi „Die Mörderin, die unschuldig ist“ hatte die Aufmerksamkeit einiger Gäste geweckt. Diese Broschüre stiftete ich der Bibliothek des Hostels.

Hier weiterlesen 18. Februar 2019

Beweismittel verschwunden

Bei den Ermittlungen zum massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz in Lügde bei Bad Pyrmont ist Beweismaterial verschwunden. Es handelt sich um einen Koffer und eine Hülle mit insgesamt 155 CDs und DVDs, wie der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag mitteilte. Um das Verschwinden der Beweise aufzuklären, seien fünf Sonderermittler eingesetzt worden. Das Material verschwand den Angaben zufolge aus einem Sichtungsraum der Kriminalpolizei.

NDR, 22. Februar 2019

Außerdem soll sich ein Jugendamtsmitarbeiter als Aktenfälscher betätigt haben.

Auch in Gütersloh möglich

Könnte sich ein Missbrauchsskandal wie in Lügde auch im Kreis Gütersloh abspielen? Der Kreis erläuterte gestern im Jugendhilfeausschuss nach welchen Kriterien Pflegekinder im Kreis vermittelt werden. Knapp 240 Kinder leben aktuell laut Glocke in Pflegefamilien, die vom Kreis betreut werden. Über Hausbesuche, Fragebögen und Gespräche machen sich Mitarbeiterinnen ein Bild der Pflegeeltern. In den Bewerbungsprozess würden immer mehrere der zehn Mitarbeiter eingebunden. Die Leiterin der Abteilung Jugend beim Kreis, Birgitt Rohde, sagte zum Fall Lügde, keiner sei dagegen gefeit dass solche Katastrophen passieren könnten.  Gleichzeitig verwies sie auf regelmäßige Treffen, bei denen Auffälligkeiten besprochen werden.

Radio Gütersloh, 7. März 2019

Polizei holt Achtjährige von einem Spielplatz

Am Sonntag brachte die Essener Polizei zweimal ein Kind vom Spielplatz nach Hause. Kinder dürfen allein spielen gehen, so der Jugendamtsleiter.
Weil ein achtjähriges Mädchen am vergangenen Sonntag (3. März 2019) allein auf einem Spielplatz im Krayer Volksgarten spielte, haben Passanten zweimal die Polizei gerufen. Sie brachte das Kind mittags und nachmittags jeweils wieder zu den Eltern. Nun wird diskutiert, ob die besorgten Passanten richtig gehandelt haben oder hysterisch. Wir sprachen mit dem Leiter des Essener Jugendamtes, Ulrich Engelen, über den Fall.
WAZ, 7. März 2019

Schon 2016 Hinweise

Hamelns Landrat Tjark Bartels (SPD) räumte am Dienstag ein, dass schon 2016 eine Jobcenter-Mitarbeiterin, ein anderer Vater sowie eine Kindergarten-Psychologin den Verdacht auf sexuell übergriffiges Verhalten geäußert hätten. Diese Hinweise seien in den Akten vermerkt. In der Vergangenheit hatte der Landrat darauf verwiesen, dass sich die Akten noch bei der Staatsanwaltschaft befinden.

Der arbeitslose Dauercamper soll gemeinsam mit einem Komplizen über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Sein Pflegekind soll er eingesetzt haben, um andere Opfer anzulocken.

Rheinische Post, 19. März 2019

Fünf weitere Kinder in Obhut genommen

Im Fall Lügde kam nicht nur die Pflegetochter von Andreas V. in Obhut. Das Jugendamt Lippe hat fünf weitere Kinder aus ihren Familien genommen. Auch zu ihnen gingen Anzeigen mit dem Verdacht auf Missbrauch ein.


Spiegel, 20. März 2019

Familienminister will Bundesgesetze ändern

NRW-Familienminister Joachim Stamp will nach dem Missbrauchs- und Behördenskandal von Lügde Bundesgesetze ändern. Die Doppelzuständigkeit der Jugendämter im Kreis Lippe und im niedersächsischen Hameln-Pyrmont sei nicht hilfreich gewesen, hieß es heute von Stamp in einem Bericht an den Familienausschuss des Düsseldorfer Landtags. Bei der Reform des Sozialgesetzbuches setze sich NRW dafür ein, bisherige Zuständigkeitsregelungen auf den Prüfstand zu stellen.

Radio Lippe, 28. März 2019

Im roten Bereich

Die amtliche Betreuung von Kindern in Pflegefamilien wird aus personellen Gründen immer schwieriger. "Überall wird händeringend nach Fachleuten gesucht, die kontrollieren können", sagte Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Dienstagausgaben). 

"Personell wird da schon lange im roten Bereich gearbeitet." Die Expertin sagte, dass es in Deutschland bislang zwar nur vereinzelt Fälle gegeben habe, wie sie am Sonntag in der TV-Krimi-Reihe "Polizeiruf" geschildert wurden. Darin ging es um illegal ins Ausland abgeschobene, deutsche Problem-Jugendliche, mit denen private Träger Geld verdienen. "Doch die Gefahr steigt durch die wachsende Zahl von Pflegekindern und der Personalnot in den kontrollierenden Jugendämtern", so die Verbandssprecherin.

Finanznachrichten, 8. April 2019 

Was die Polizei nicht findet...

Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR sind weitere Datenträger im Missbrauchsfall Lügde aufgetaucht. Mitarbeiter eines Abrissunternehmens hatten die Festplatten gefunden, als die Behausung des Hauptverdächtigen abgerissen wurde – und zwar nachdem der Tatort offiziell von Polizei und Staatsanwaltschaft freigegeben worden war. 

Schweriner Volkszeitung, 12. April 2019



Hamburger Jugendamt schützt Mädchen nicht
Über ihren "Notruf Genitalverstümmelung" wurde auch die TaskForce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung e.V. in den Fall involviert. Die Kinderschutzorganisation arbeitet in der Regel bei drohender Verstümmelungsgefahr eng mit den Jugendämtern zusammen, stellt Informationen bereit, berät zur Rechtslage und unterstützt bei der Erarbeitung der nötigen Anträge an die Familiengerichte. Doch nicht so im Hamburger Fall.

Statt mit der TaskForce zu kooperieren stellte das Jugendamt Hamburg Harburg infrage, ob das Gespräch zwischen der Kindsmutter und der Mitarbeiterin tatsächlich stattgefunden habe und verweigerte jegliche Auskunft über den Schutzstatus der Mädchen.
Neue Westfälische, 24. April 2019

Jugendamt ruft nicht zurück
Auf Wunsch der Mutter der 6-Jährigen lebte das Mädchen bei dem Mann auf dem Campingplatz in Lügde in Pflege. Davon habe der leibliche Vater nur zufällig erfahren, kritisiert er in einem Interview. Als er seine Tochter besuchen wollte, habe Andreas V. ihn vom Campingplatz getrieben.
Daraufhin habe der Vater, der zum Schutz seiner Tochter in den Medien anonym bleiben möchte, das Jugendamt mehrfach angerufen. Er ist erschrocken darüber, dass so ein junges Mädchen auf einem Campingplatz in Lügde unergebracht wurde.

owl, 6. Mai 2019

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